Auf dieser Seite will ich euch einige Personen vorstellen, die mir Vorbilder sind und die mein Leben irgendwie geprägt haben.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen - Dietrich Bonhoeffer, Widerstandskämpfer und aufrechter Christ 

 

Von Bischof Jacques Gaillot stammt der Satz: "Eine Kirche die nicht dient, dient zu nichts." Und recht hat er, denn jede der großen christlichen Kirchen hat ihre Existenzberechtigung einzig und allein darin, dass sie für andere da ist, und dieses "für andere da sein" kann dann auch bedeuten, dass die betreffende Kirche gegen ein Unrechtsregime, gegen Ungerechtigkeit und Willkür aktiv Widerstand leistet.

Wie soll ich aber nun, wenn ich das oben Gesagte auf die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur konkretisiere, diese Aussage mit der Aussage der Katholischen Deutschen Bischöfe in ihrem Hirtenbrief von 1935 vereinbaren, wenn es dort heisst: "Katholiken machen keine Revolte und leisten keinen gewalttätigen Widerstand"? Kann denn, so möchte ich fragen, gewaltloser Widerstand überhaupt etwas bewegen? Für den Chefideologen der NSDAP, Alfred Rosenberg, war das Christentum eine minderwertige, asiatische Religion, welche unbedingt den neuen Werten, nämlich Rasse und Volk, zu weichen hatte. Bereits 1933 begann die NSDAP deshalb auch folgerichtig damit, die christlichen Kirchen zu unterdrücken, das Christentum an den Rand der Gesellschaft zu drängen und kirchliche Arbeit immer schwerer zu machen.

Die Repressalien der nationalsozialistischen Machthaber gegenüber den Kirchen wurden schließlich so schlimm, dass sich zu guter Letzt auf katholischer Seite Papst Pius XI. (1922-1939) genötigt sah, dagegen die Stimme zu erheben. Am 14. März 1937 erschien die bislang einzige Enzyklika in deutscher Sprache, das Sendschreiben "Mit brennender Sorge". Pius XI. fand darin sehr deutliche Worte.

In der evangelischen Kirche gab es eine solche Oberste Instanz bzw. Autorität nicht. Hier schufen Karl Barth, Martin Niemöller und Dietrich Bonhoeffer die Organisation der "Bekennenden Kirche". Diese  wurde zum Kern der evangelischen Kirche und Zentrum des Kampfes und des Widerstandes gegen die NS-Diktatur. Und einen dieser drei Theologen, nämlich Dietrich Bonhoeffer möchte ich Ihnen etwas genauer vorstellen:

 

30. Januar 1933: Der Tag der Machtergreifung des grausamen Diktators Adolph Hitler. Von diesem Tag an wird ein Netz des Widerstandes aufgebaut für die Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft. Zu den Mitbegründern dieser Widerstandsbewegung gehört ein Mann, der bis zu seinem letzten Tag gegen die Hitler-Herrschaft kämpfen wird. Sein Name: Dietrich Bonhoeffer. In seinem Tagebuch notiert er ein paar Zeilen, die sein Verhalten und seine Beweggründe wohl am besten zusammenfassen und erklären: "Eine letzte Möglichkeit der Kirche besteht darin, nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen. ... Wenn ein Wahnsinniger auf dem Kurfürstendamm sein Auto über den Gehweg steuert, so kann ich als Pastor nicht nur die Toten beerdigen und die Angehörigen trösten; ich muss hinzuspringen und den Fahrer vom Steuer reissen, wenn ich eben gerade an dieser Stelle stehe."

 

Bonhoeffer wurde - gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester Sabine - als sechstes von acht Kindern einer für Kunst, Musik und Politik aufgeschlossenen Professorenfamilie am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Die jüngste Schwester Bonhoeffers wurde 1909 geboren. Sein Vater war Chefarzt der Nervenklinik der Charite. Die Mutter war Tochter eines evangelischen Pastors und Lehrerin.

Dietrich war - wie alle seine Geschwister - ein guter Schüler. Das Lernen fiel ihm leicht. Er erhält Klavierunterricht, kommt bereits mit 71/2  Jahren auf das Gymnasium und machte mit 17 das Abitur. Dann (1923/24) beginnt er sein Studium: An den Universitäten von Tübingen, Rom und Berlin studiert er Philosophie und evangelische Theologie bei Adolph von Harnack, und Reinhold Seeberger. In jener Zeit findet er auch zu einer engeren Bekanntschaft mit Karl Barth, dessen Theologie und Spiritualität er sich letztlich anschließt. Dietrichs Wunsch ist es, Professor und evangelischer Pfarrer zu werden. Er möchte nur für Gott da sein und das Evangelium leben. Das ausschlaggebende Moment für dieses Studienziel war wahrscheinlich, dass sein älterer Bruder Walter 1917 nach einer schweren Verwundung starb, denn besonders die grosse Trauer seiner Mutter hat ihn schwer getroffen. 1927 erwirbt er mit 21 Jahren den Doktortitel in Theologie. Der Titel seiner Doktorarbeit war: "Die Kirche - die Gemeinschaft der Heiligen." 1928  macht Bonhoeffer das erste, 1930 das zweite Staatsexamen, um evangelischer Pfarrer zu werden. Dazwischen war er als Vikar in Barcelona tätig und reichte seine Habilitationsschrift ein. Er wird 1931 Privatdozent an der Universität in Berlin und so nebenbei ist er auch noch Studentenpfarrer, Hilfsprediger im Stadtteil Prenzlauer Berg und Vertreter Deutschlands auf der 1931 stattfindenden Konferenz des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen in Cambridge. Das war eine der ersten Organisationen der beginnenden ökumenischen Bewegung und sie machte Bonhoeffer zum Sekretär für die ökumenische Jugendarbeit in Mittel- und Nordeuropa.

 

Am Abend des 30. Januar 1933 kommentierte Bonhoeffers Schwager Hans von Dohnany die Machtergreifung Hitlers mit den Worten: "Das bedeutet Krieg." Die ganze Familie, die viele jüdische Freunde und Bekannte hatte, stimmte ihm vorbehaltlos zu. Anders als viele seiner sowohl katholischen als auch evangelischen Kollegen, die auf Hitlers fromme Phrasen hereinfielen und die Anfänge des braunen Terrors als notwendiges Übel zur Abwehr des Bolschewismus verharmlosten, wusste Dietrich Bonhoeffer, was er von den Nazis erwarten konnte: Das Ende aller Freiheit in Deutschland und einen erbarmungslosen Kirchenkampf. Und die Zukunft sollte ihm Recht geben: Sein Schwager verlor sein Professorenamt, jüdische Freunde durften nicht mehr Pfarrer werden, Juristen und Ärzte aus seinem Bekanntenkreis wurden drangsaliert und mit Berufsverbot belegt.

Bereits zwei Tage nach der Machtergreifung protestierte Bonhoeffer in einer Rundfunkrede unmissverständlich gegen ein -  wie er sich ausdrückte -, "sich selbst vergottendes" Führertum. Diese Aussage war so deutlich, dass man ihm kurzerhand das Mikrophon abdrehte und ihm nie wieder die Gelegenheit gab, im Rundfunk zu sprechen. Und er nahm auch weiterhin kein Blatt vor den Mund: Bereits im April 1933 kritisierte er in einem Kreis von Pfarrern die ersten Zwangsmaßnahmen gegen jüdische Mitbürger.

Als der Boden in Deutschland für Dietrich Bonhoeffer allmählich zu heiß wurde, schickten ihn sein Bischof und sein Superintendent 1934/35 für kurze Zeit nach London, damit sich die Wogen etwas glätten konnten. Aber Bonhoeffer blieb nicht lange im Ausland - noch im April 1935 kehrte er nach Deutschland zurück. Bald darauf übernahm er in Finkenwalde bei Stettin das illegale pommersche Predigerseminar zur praktischen Ausbildung angehender Pfarrer. Als die GeStaPo das der Bekennenden Kirche nahestehende Seminar 1937 auf persönlichen Befehl Heinrich Himmlers schloss, griff Bonhoeffer zu einen Trick: Er hielt seine Seminare in den Pfarrhäusern zuverlässiger Pfarrer ab - und damit konnte er dieses Seminar noch bis 1940 am Leben erhalten. Dann wurden nämlich seine letzten Vikare und Studenten eingezogen und sein Seminar löste sich mangels Personals auf. 1936 gab Bonhoeffer seine Professorenstelle an der Berliner Universität auf, nachdem ihm von den nationalsozialistischen Machthabern verboten worden war, weiterhin Studenten zu unterrichten. Seine letzte Vorlesung - sie handelte von der Bergpredigt - erschien 1937 unter dem Titel "Nachfolge" als Buch. Auf einer Reise nach Schweden noch im selben Jahr versuchte er, den Abgeordneten der europäischen Kirchen die Situation in Deutschland zu schildern. Aber die meisten seiner Zuhörer glaubten ihm nicht. Viele konnten oder wollten einfach nicht wahrhaben, dass Menschen wie Bonhoeffer sich zum Widerstand gegen Hitler zusammenschlossen.

 Im Februar 1938 konnte er zum letzten Mal an einer ökumenischen Konferenz - sie fand in London statt - teilnehmen und im September desselben Jahres wurde sein Predigerseminar endgültig von der GeStaPo geschlossen.

Nach der sogenannten "Reichskristallnacht", also am 9. November 1938, als überall in Deutschland Synagogen brannten und jüdische Mitbürger verschwanden, und in deren Verlauf auch 27 ehemalige Seminaristen verhaftet wurden, beschwor Bonhoeffer seine Glaubensbrüder und Schwestern mit den eindringlichen Worten:  "Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen."  Und er meinte damit, dass eine Christenheit, die zur Verfolgung und Entrechtung eines ganzen Volkes schweige, das Recht verwirkt habe, Gott in schönen Hymnen und Liedern zu loben. Diese Aussage kam natürlich auch den braunen Machthabern zu Ohren und die GeStaPo verbot Bonhoeffer daraufhin jedwede kirchliche Arbeit - ja, man ging noch einen Schritt weiter und verbannte ihn sozusagen: er durfte Berlin nicht einmal mehr betreten. Alle seine Freunde und Bekannten, die sich um Bonhoeffers Wohlergehen sorgten, waren erleichtert, als man ihm 1939 eine Gastprofessur in Amerika anbot. Wider Erwarten bekam er von den braunen Machthabern sogar die Reiseerlaubnis. Bonhoeffer zog also nach New York, um an der dortigen Universität zu unterrichten.

Die Situation in Deutschland und Europa wurde indessen immer gefährlicher; seine Freunde in den USA warnten ihn eindringlich davor, nach Deutschland zurückzukehren. Sie haben Angst vor dem Krieg, der jeden Augenblick ausbrechen kann. Und einer der amerikanischen Kollegen und Freunde sagt zu ihm: "Wir können dich hier in Amerika gut gebrauchen. Wir haben eine Stelle als Professor an der Universität für dich. Du sprichst gut englisch, du bist sehr begabt." 

Und Dietrich Bonhoeffer gerät nun in große Gewissensnot. Nach reiflicher Überlegung aber lehnt er es ab, in den USA zu bleiben. Er begründet seine Rückkehr nach Deutschland so: "Es tut mir leid. Ich kann euer Angebot nicht annehmen. Meine Freunde in Deutschland brauchen mich. Ich kann mein Vaterland nicht im Stich lassen."

Ja, obwohl er weiß, welcher Gefahr er sich aussetzt, obwohl niemand ihm einen Vorwurf machen würde, wenn er in Amerika bliebe, er will in Deutschland sein, will das Leid mit eigenen Augen sehen und erleben, nicht als ferner Zuschauer. Er will morgens in den Spiegel blicken und sich offen und ehrlich in die Augen schauen können. Bleibe er in Amerika, dann habe er - so meint er - hinterher kein Recht, irgendetwas zu den Menschen zu sagen.

Nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitet er für die "Bekennende Kirche", eine im Mai 1934 von den Pastoren Karl Barth, Martin Niemöller und Dietrich Bonhoeffer gegründete Organisation, die sich konsequent von der von den Nazis ins Leben gerufenen "Reichskirche" abgrenzte. Die Mitglieder der "Bekennenden Kirche" halfen vielen Juden und lebten tatkräftig das Evangelium. Bonhoeffer reiste umher und unterrichtete Studenten. Er versuchte, geheime Kontakte zur englischen Regierung und auch zum Vatikan anzuknüpfen, blieb aber leider ohne Erfolg.

Bonhoeffers Tätigkeit war der GeStaPo naturgemäß ein Dorn im Auge: Er musste sich täglich auf der Polizei melden, durfte nicht mehr mit Studenten reden und durfte auch nichts mehr veröffentlichen. Sein Schwager Hans von Dohnanyi erreicht, dass er von der "Abwehr" des Admirals Wilhelm Canaris in den Kurierdienst übernommen wurde. Hier lernt er die Männer des 20. Juli kennen. Im Untergrund bereitet er mit anderen zusammen einen Aufstand gegen Hitler vor. Für einen deutschen Theologen eigentlich eine Ungeheuerlichkeit, den Mord an einem Menschen - und sei es ein solches Monster, wie Adolf Hitler - gutzuheissen. Die Treue zum Staat gehört doch zu den unantastbaren Verpflichtungen eines Christen! Bonhoeffer aber sah weiter. Er rang sich zu der Erkenntnis durch, dass man als Christ vor Unrecht nicht die Augen verschließen dürfe und der Politik nicht einfach den Rücken kehren könne. Immer mehr wuchs in ihm die Überzeugung, dass man in einer Diktatur notfalls auch nicht vor einem Tyrannenmord zurückschrecken dürfe: "Es musste sich herausstellen, dass eine entscheidende Grunderkenntnis den Deutschen noch fehlt: Die von der Notwendigkeit der freien, verantwortlichen Tat, auch gegen Beruf und Auftrag. ... Etwas zu spät haben wir gelernt, dass nicht der Gedanke, sondern die Verantwortungsbereitschaft der Ursprung der Tat ist." 

 Durch seinen Schwager Hans von Dohnany gewann er 1938 Einblick in die Hintergründe der Krise um den Generalobersten Wemer Freiherr von Fritsch, den Oberbefehlshaber des Heeres, und die beginnenden Umsturzpläne in der Umgebung des Generalobersten Fedor von Bock und war von da an über die weitere Entwicklung der Widerstandsarbeit ständig unterrichtet. Bonhoeffers spezieller Auftrag in der Organisation des Admirals Canaris war es, über seine ökumenischen Verbindungen die Westmächte über Fortgang, Pläne und Möglichkeiten der deutschen Widerstandsbewegung zu informieren, sie vom Friedenswillen einer neuen Regierung nach Hitlers Sturz zu überzeugen und sie für diesen Fall zu akzeptablen Waffenstillstandsbedingungen geneigt zu machen. Zu diesem Zweck unternahm er immer wieder auch Reisen ins neutrale Ausland. Er reiste dabei offiziell als Kurier und im Auftrag der Abwehr - die spektakulärste Reise war vielleicht das Treffen mit Bischof George Bell von Chichester, das um die Mitte des Jahres 1942 in Schweden stattfand. In engem Zusammenhang mit dieser Tätigkeit stand auch seine Arbeit an der Schrift "Ethik", in der er Grundlagen christlichen Handelns von den Erfahrungen jener Jahre her formulierte.  Daneben war er, solange Reise- und Aufenthaltsverbote ihn nicht daran hinderten, als Visitator der Bekennenden Kirche und als theologischer Gutachter für aktuelle Fragen tätig.  Im Januar 1943 verlobte sich Bonhoeffer mit Maria von Wedemeyer.

 

Niemand ahnt etwas. Doch am 5. April 1943 wird Bonhoeffer plötzlich verhaftet und in das Militärgefängnis Berlin-Tegel eingeliefert - alles scheint umsonst gewesen zu sein. 12 Tage lang öffnet sich die Tür nur für den Essensempfang und zum Ausleeren des Kübels für die Notdurft. Das Wachpersonal hat Anweisung, kein Wort mit dem Gefangenen zu sprechen. Den Grund für seine Verhaftung erfuhr er erst ein halbes Jahr später. Seife oder frische Wäsche gibt es nicht. Belastendes Material konnte die GeStaPo nicht finden - der Prozess Bonhoeffers wird immer wieder verschoben. In der engen Zelle unter dem Dach, bei eisiger Kälte im Winter und Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius im Sommer, schreibt Bonhoeffer viele Briefe und Gedichte an Freunde und Bekannte. Auch seinen Mitgefangenen macht er Mut und erweckt in ihnen neue Freude am Leben. Er betet mit ihnen und verteilt die Lebensmittel, die seine Familie ihm zuschickt, unter sie.

Eines der Gebete, welches er für seine Mithäftlinge schrieb, lautet so:

            Herr Jesus Christus, du warst arm und elend, gefangen und verlassen wie ich. Du kennst alle Not der Menschen, du bleibst bei mir, wenn kein Mensch mir beisteht. Du vergisst mich nicht und suchst mich, du willst, dass ich dich erkenne und mich zu dir kehre. Herr, ich höre deinen Ruf und folge, hilf mir!

Einem Freund schreibt er im Dezember 1943 heimlich aus seiner Zelle: "Du musst übrigens wissen, dass ich noch keinen Augenblick meine Rückkehr 1939 aus New York bereut habe, noch auch irgendetwas von dem, was dann folgte. Ich sitze hier in der Zelle, um für die Gerechtigkeit zu leben."

 In dieser Zeit entstand sein wohl bekanntestes Werk: "Widerstand und Ergebung", das vor allem seine Briefe aus der Haft enthält. Was mich persönlich an diesem Buch immer wieder beeindruckt hat, das ist die ungebrochene Zuversicht, die Kraft, das Gottvertrauen, das aus fast jedem seiner Briefe spricht.

Am 20.Juli 1944 begann der Anfang vom Ende: das lange geplante Attentat auf Hitler durch Graf Stauffenberg schlägt fehl. Alle Hoffnungen sind zerstört. Auch Bonhoeffers Freunde werden nun verhaftet. Seine Mitarbeit in der Untergrundorganisation wird (erst jetzt!) aufgedeckt, denn im Zuge der Ermittlungen fielen der GeStaPo auch belastende Hinweise auf Dietrich Bonhoeffers Mitwirkung in die Hände - es handelte sich um das persönliche Tagebuch des Admirals Wilhelm Canaris. Bonhoeffer wurde daraufhin in das Münchener Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamtes verlegt. Im Oktober 1944 kam er in den Gestapo-Bunker nach Berlin. Jetzt gab es keine Hoffnung mehr, keine Verbindungen nach draußen. Bonhoeffer wartete auf den Tod, mit dem er sich letztlich nach langem Ringen ausgesöhnt hatte. Mithäftlinge berichteten von seiner unerschütterlichen Ruhe, die er auch im Luftschutzbunker zeigte, als eine Bombe das Dach getroffen hatte und der ganze Raum unter ohrenbetäubendem Lärm hin und herschwankte. In diesem finsteren Gefängnis entstanden am Silvestertag 1944 die berühmten Verse von dem Licht, welches in der Nacht scheint:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

und ganz bestimmt an jedem neuen Tag.

 Im Februar 1945, gerade 39 Jahre alt geworden,  wird Dietrich Bonhoeffer in eine feuchte unterirdische Zelle für "prominente" Gefangene ins Konzentrationslager Buchenwald in Thüringen gebracht. Doch bereits am 3. April 1945 wird Bonhoeffer in einem geschlossenen Lastwagen aus dem Konzentrationslager Buchenwald, wo von Westen her bereits das dumpfe Grollen amerikanischer Geschütze zu hören war, in das süddeutsche Konzentrationslager Flossenbürg verlegt.

Das Leben Dietrich Bonhoeffers - es scheint mir  vorgezeichnet zu sein, in seiner letzten Vorlesung, die er gehalten hat. Unter dem Titel "Nachfolge" wurde seine Vorlesung über die Bergpredigt gedruckt und fand weite Verbreitung.  Bonhoeffers wegweisende Auslegung der Bergpredigt ist heute noch genauso bewegend und aufrüttelnd wie 1937 beim ersten Erscheinen: "Nachfolge ist Bindung an den leidenden Christus. Darum ist das Leiden der Christen nichts Befremdliches.  Es ist vielmehr lauter Gnade und Freude.  Die Akten der ersten Märtyrer der Kirche bezeugen es, dass Christus den Seinen den Augenblick des höchsten Leidens verklärt durch die unbeschreibliche Gewissheit seiner Nähe und Gemeinschaft. So wurde ihnen mitten in den furchtbarsten Qual, die sie um ihres Herrn willen ertrugen, die höchste Freude und Seligkeit seiner Gemeinschaft zuteil.  Das Tragen des Kreuzes erwies sich ihnen als einzige Überwindung des Leidens.  Das aber gilt für alle, die Christus nachfolgen, weil es für Christus selbst galt."  - so lauten seine eigenen Worte.

In der Gefangenschaft bewegte ihn in steigendem Maß das Problem der Verkündigung an die mündig gewordene Welt, ein Problem, das wie so manches andere er der Kirche und Theologie aufs Neue zu durchdenken hinterlassen hat. Seine Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft gewähren uns einen Einblick in sein innerstes Erleben. In seinem letzten Brief vom 23.8. 1944 an seinen Freund Eberhard Bethge heißt es: "Gottes Hand und Führung ist mir so gewiss, dass ich hoffe immer in dieser Gewissheit bewahrt zu werden. Du darfst nie daran zweifeln, dass ich dankbar und froh den Wege gehe, den ich geführt werde.  Mein vergangenes Leben ist übervoll von Gottes Güte, und über der Schuld steht die vergehende Liebe des Gekreuzigten."

Dietrich Bonhoeffer fiel einer gezielten Racheaktion Hitlers zum Opfer. Ein Standgericht entscheidet am 5. April auf direkten Befehl des größenwahnsinnigen Diktators - während der Krieg längst verloren und bereits alles in Auflösung begriffen war -: Bonhoeffer ist Schuldig! Zum Tode zu verurteilen! Als Bonhoeffer sich von seinen Freunden verabschiedet, sagt er: "Das ist das Ende - für mich der Beginn des Lebens."

Am 9. April 1945 wurde der 39-jährige Dietrich Bonhoeffer mit seinen Freunden, darunter auch der ehemalige Chef der deutschen Abwehr, Admiral Wilhelm Canaris, hingerichtet. Bevor die Henker ihm den Strick um den Hals legten, kniete er nieder und betete. In seinem Nachlass fand man ein Gedicht, überschrieben mit "Der Tod des Moses":

Sinkend, Gott, in deine Ewigkeiten

seh' ich mein Volk in die Freiheit schreiten.

Der die Sünde straft und gern vergibt,

Gott, ich habe dieses Volk geliebt.

Dass ich seine Schmach und Lasten trug

und sein Heil geschaut - das ist genug,

halte, fasse mich! mir sinkt der Stab,

treuer Gott, bereite mir mein Grab."

Vier Wochen später wird auch Hitler besiegt sein. Er begeht Selbstmord - der Krieg ist zu Ende.

 

 

Johannes XXIII., der gütige Papst - Vorbild und Ansporn

Es ist seltsam: Christen und Atheisten in aller Welt reden bis heute von ihm, der doch nur vier Jahre Papst gewesen ist: Die Rede ist von Johannes XXIII. "Je �lter ich werde", so schreibt z.B. Frere Roger Schutz, der Gr�nder des �kumenischen Zentrums von Taize, "desto mehr suche ich das Fest in den Zeugen, auf die ich mich st�tze. Oft lese ich zwei oder drei Worte von Johannes XXIII. Ihn habe ich geliebt, und das war gegenseitig."

Angelo Guiseppe Roncalli, Papst Johannes der XXIII. Er wollte nach Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils einen "Brief an den Klerus der Welt" schreiben. Dieser Brief ist nie geschrieben worden. Wirklich nicht? Oder vielleicht doch? Ich bin der Meinung, das ganze Leben dieses Menschen Angelo Roncalli war ein Brief, und ich lade sie ein, mit mir gemeinsam ein wenig in diesen Brief zu lesen.

Angelo Guiseppe Roncalli wurde am 25. November 1881 als elftes von 13 Geschwistern in Sotto il Monte bei Bergamo geboren und am gleichen Tag noch getauft. Seine Eltern Battista und Marianne Roncalli waren Bauern: Vier Hektar Pachtland und vier K�he waren ihr einziger Besitz. Als Angelo geboren wurde, waren davon nicht weniger als 28 Personen zu ern�hren. Die Eltern erzogen ihre Kinder zu Ehrlichkeit, Gottesfurcht und Arbeitsamkeit. Im Elternhaus bekam Guiseppe die Pr�gung, die f�r ihn lebensbestimmend werden sollte. "Es gibt drei M�glichkeiten sich zu ruinieren", sagte er sp�ter mit seinem typischen Humor: "die Frauen, das Gl�cksspiel und die Landwirtschaft. Mein Vater entschied sich f�r die langweiligste." Ja, sie waren arm, arm wie alle im Dorf, aber sie waren dennoch reich: Tonangebend n�mlich war Guiseppes Taufpate, Onkel Xaverio: Er hatte so gut wie keine Schulbildung, aber er kannte die Bibel. Die las er immer wieder und abends sa� der kleine Angelo mit seinen Geschwistern am K�chentisch und h�rte Onkel Xaverio zu, wenn er ihnen aus der Bibel vorlas. In der Schule am Ort, die Angelo ab 1888 besuchte, war der Pfarrer, Don Rebbuzzni, der Schulleiter.

Als Angelo zehn Jahre alt war, erm�glichte es dieser Pfarrer, dass er die h�here Schule im Nachbarort Celana besuchen konnte. Dazu musste er t�glich acht Kilometer zu Fu� �ber den Berg gehen. "Ich war alles andere als eine Glanznummer", sagte er selbst �ber sich. Die Mitsch�ler, alle �lter als er und aus der st�dtischen Mittelschicht, machten sich lustig �ber den �rmlichen Bauernburschen, aber er h�lt die Belastungen nicht aus: T�glich drei Stunden zur Schule und drei Stunden von der Schule nach Hause - bereits nach einem Jahr muss er die Schule verlassen. Der Vater h�lt das Experiment f�r gescheitert und spannt Angelo in der elterlichen Landwirtschaft ein. Die Mutter, Onkel Xaverio und Don Rebbuzzni aber geben nicht auf. In Angelo Guiseppe brannte n�mlich bereits eine kleine, stille Flamme: "Ich wollte Gott um jeden Preis lieben und dachte an nichts anderes als daran, Priester zu werden", berichtete er sp�ter. W�rde er dieses Ziel erreichen, denn es war nicht nur die Mathematik, die nicht in seinen Kopf hineinwollte? Die Bem�hungen Don Rebbuzinis blieben nicht erfolglos: 1892 durfte Angelo Guiseppe Roncalli in das Knabenseminar in Bergamo eintreten, 1895 wechselte er in das dortige Priesterseminar �ber. Und 1901 kam er in das Priesterseminar nach Rom: Er wohnt in einem kleinen Zimmer mit kaltem, feuchten Steinboden, einem harten Bett, einem Tisch, einem B�cherregal und flie�endem Wasser - nicht nur an den W�nden..... .

Den gr�ten Einfluss dort hatte Pater Francesco. Er litt an einer Krankheit, die es ihm unm�glich machte, den Kopf zu heben, aber er machte aus der Not eine Tugend: Er h�rte mehr zu, als dass er selber sprach und der nachmalige Papst sagte �ber ihn: "Wenn wir es fertiggebracht haben, etwas aus unserem Leben zu machen, so verdanken wir es ihm."  

1904, mit gerade 23 Jahren, erhielt er den Doktorgrad in Theologie und wurde am 10. August dieses Jahres zum Priester geweiht. Und direkt nach der Priesterweihe wurde Angelo Roncalli Dozent in Bergamo und gleichzeitig der Sekret�r des dortigen Bischofs Graf Radini-Tedeschi. Bischof Radini-Tedeschi war so etwas, wie das "enfant terrible" der italienischen Bisch�fe: sozial eingestellt und immer auf der Seite der Schw�chsten - sozusagen ein italienischer Bischof Ketteler. Und sein Sekret�r empfing hier wesentliche und wichtige Pr�gungen. Und dabei war es ja wirklich ein seltsames Gespann: Der aristokratische, schlanke, gro�gewachsene Bischof und der kleine, dicke Sekret�r mit dem gutm�tigen Gesicht eines Bauern.  Bischof Radini-Tedeschi stirbt 1914. Und 1915, beginnt eine "h�here Schule", wie Roncalli es nannte: Er wurde als Sanit�ter und Feldgeistlicher eingezogen. "Ich danke Gott, dass ich im ersten Weltkrieg als Unteroffizier und Feldgeistlicher Dienst tun durfte", schrieb er in sein Tagebuch. Jahre sp�ter, bereits als Kardinal, baute er sich vor einem General auf, salutierte vorschriftsm�ig und meldete sich mit den Worten: "Unteroffizier Roncalli zur Stelle!"

Nach dem Krieg k�mmerte er sich dann liebevoll um die Studenten. Ein Beispiel f�r seine Liebensw�rdigkeit und Gutm�tigkeit aus der damaligen Zeit: Wenn einer der Studenten w�hrend seines Unterrichts einschlief und sein Nachbar ihn wecken wollte, sagte er: "Lass ihn schlafen! Es liegt an meinem Unterricht, wenn er einschl�ft." Diese Zeit, als Studentenseelsorger war ihm offensichtlich in seinen R�ckblicken immer die sch�nste und liebste Erinnerung, aber bereits 1920 wurde er nach Rom gerufen. Er wurde sozusagen "Reisender in Sachen Mission". Es war - trotz der damit verbundenen W�rde eines Bischofs - eine undankbare Aufgabe: Bischof Roncalli war ungl�cklich dabei. Um wie viel lieber w�re er ein einfacher Seelsorger gewesen. Er war ein Neuling auf dem diplomatischen Parkett, seine Gespr�chspartner lie�en ihn dies nur allzu deutlich merken. Aber seine Geduld und seine Liebensw�rdigkeit �ffneten ihm die T�ren - und auch die Herzen seiner Gespr�chspartner.

 Am 3. M�rz 1925 riss man ihn aus dieser T�tigkeit heraus und schickte ihn als Apostolischen Visitator und Bischof nach Bulgarien. "Das ist eine Durchgangsstation auf dem Weg nach S�damerika", sagte man - dennoch aber wurden es zehn Jahre. War es eine Schikane, war es eine Intrige der Kurienkardin�le, die ihn mit Argwohn betrachteten? War es der Zweifel an seiner Rechtgl�ubigkeit, weil er den Kontakt zu einem Freund, welcher wegen seiner B�cher exkommuniziert worden war, aufrechterhielt? Oder war er nur einfach vergessen worden, war er auf dem Abstellgleis gelandet?

Die Situation in Bulgarien damals war schwierig: Nur 50.000 Katholiken lebten im Land, dazu kamen noch etwa 6000 mit Rom unierte Katholiken des byzantinischen Ritus. Es gab erhebliche Spannungen zwischen den christlichen Konfessionen, das Land stand am Rande eines B�rgerkrieges. Allein 1924 geschahen 200 politische Morde.

Als Roncalli  sein Amt antritt, explodiert in der orthodoxen Kathedrale in Sofia eine Bombe: Zwar bleibt der K�nig unverletzt, aber 150 Tote und �ber 300 Schwerverletzte sind zu beklagen. Bischof Roncalli versucht Frieden zu schaffen und eine br�derliche Atmosph�re zu bauen. In seiner Antrittspredigt entschuldigt er sich als erstes, dass er Italienisch spricht und verspricht, Bulgarisch zu lernen. Sofort beginnt er, das Land zu bereisen: Mit fast 45 Jahren rumpelt er im Auto �ber Stock und Stein, sitzt im Sattel eines Pferdes, geht zu Fu� durch die Wildnis, liegt abends am w�rmenden Lagerfeuer, schl�ft unter freiem Himmel. Als man ihm abr�t, eine Stadt, in der der Hass besonders schwelt, zu besuchen, geht er trotzdem. Auf dem Weg zur Kirche begegnet er den hasserf�llten Blicken der Menschen mit einem unbek�mmerten, freundlichen L�cheln. Und dann h�lt er eine Predigt - diesmal in Bulgarisch -, aus der soviel Freundschaft und Liebe sprechen, dass der orthodoxe Vizepr�fekt - ein besonders fanatischer Katholikenhasser - anschlie�end zu ihm kommt um ihm seine Aufwartung zu machen.

Rom hat ihn anscheinend wirklich vergessen: Er erh�lt keine Unterst�tzung von dort, aber er wird nicht m�de, er wird dar�ber auch nicht verbittert, obwohl es ihn schmerzt. Er tut, was er kann f�r die Kirche vor Ort - und gleichzeitig stolpert er damit in Rom von einem Fettn�pfchen zum n�chsten: Er f�hrt die bulgarische Sprache in der Liturgie ein, er setzt durch, dass ein eigener Bischof f�r den byzantinischen Ritus eingesetzt wird, er besucht den orthodoxen Patriarchen und orthodoxe Kl�ster, er schl�gt Br�cken, wo immer er nur kann. Wo eine Notlage auftaucht, ist er da, um zu helfen: Nach einem Erdbeben z.B. verteilt er Brot und Decken, schl�ft mit den Leuten in den Notzelten, tr�stet sie durch seine Gegenwart. Und dabei steht es mit seiner Gesundheit nicht zum Besten: Er hat ein Nierenleiden und ist magenkrank, s�mtliche Z�hne m�ssen ihm gezogen werden. Er bereitet sich jeden Tag auf das Sterben vor.  

Am Jahreswechsel von 1934 auf 1935, nach zehn Jahren in Bulgarien, wird er versetzt: Er soll nach Istanbul gehen und die Apostolische Delegatur in der T�rkei und Griechenland �bernehmen. Ist es eine Bef�rderung? Nein, eher eine Strafversetzung, denn nun ist er nur noch f�r etwa die H�lfte Menschen zust�ndig als in Bulgarien, die noch dazu weit verstreut in der T�rkei und in Griechenland leben. Der Abschied von Bulgarien f�llt Angelo Roncalli schwer. Und wenn es ein Indiz f�r sein Wirken gibt, dann dieses: Unbeachtet war er zehn Jahre vorher gekommen, nun verabschiedet ihn die Regierung, die Zeitungen r�hmen ihn, ja, auch die orthodoxe Kirche ehrt ihn bei seinem Abschied. Noch jahrelang redet man von ihm, man vermisst ihn und misst seine Nachfolger an ihm. Und wie sich die Bilder gleichen: Als ein Unbekannter kommt er nun nach Istanbul. Und mehr noch: Er ist unerw�nscht, denn die t�rkische Regierung will keine freie Religionsaus�bung der Katholiken. Das Tragen der geistlichen Kleidung und des bisch�flichen Ornates ist verboten; nur ein kleines, staubiges Zimmer mit abgen�tzten M�beln steht ihm zur Verf�gung. Aber als der p�pstliche Gesandte seine Antrittspredigt h�lt, strahlt sein Gesicht vor Freundlichkeit. Aber dennoch sieht er auch etwas Positives: Endlich kann er - offiziell ist er apostolischer Vikar, also Ortsbischof von Istanbul - wieder als Seelsorger vor Ort wirken. Und sofort ist er wieder der Seelsorger: Meistens geht er zu Fu� durch die Stadt. Er k�mmert sich um alles: Er erscheint bei Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen - immer ist er mitten unter dem Volk. Seit �ber 900 Jahren begegnet ein offizieller Vertreter des Papstes dem Patriarchen von Konstantinopel. Dem�tig und liebevoll tut er den ersten Schritt - und das ohne Auftrag von Rom! Ja, auch in Istanbul l�sst Roncalli kein Fettn�pfchen aus, in welches er in Rom treten kann: Und die Geschichte gab ihm recht: Was er in den 20er Jahren begonnen hatte, wurde durch das Zweite Vatikanische Konzil von der Mehrheit der Bisch�fe aufgegriffen und in den offiziellen Konzilsbeschl�ssen verankert.  Doch zur�ck in die T�rkei: Amtliche Dokumente m�ssen auf t�rkisch verfasst werden. Bischof Roncalli versucht auf t�rkisch zu predigen, t�rkisch wird liturgische Sprache.

Obwohl er auch f�r die Katholiken in Griechenland zust�ndig ist, erh�lt er keine Einreisegenehmigung f�r Griechenland. Was tun? Er geht eben nicht offiziell nach Griechenland, sondern er reist als "Tourist".

Vielleicht ein Beispiel daf�r, warum er so beliebt war: Eines Tages bekommt ein italienisches Regiment an der albanischen Grenze bekanntgegeben, dass der Bischof sie besuchen will. Die M�nner stellten sich widerwillig auf, denn sie erwarteten das �bliche Zeremoniell: Auftritt in gro�er Begleitung, ein paar bombastische Reden und dann die hastige Abfahrt, w�hrend sie staubbedeckt und durstig angetreten sind. Wie aber lief es wirklich ab? Ein einsames Auto f�hrt vor, Angelo Roncalli steigt staubbedeckt aus, l�chelt und geht auf seine Landsleute zu, um ihnen die H�nde zu sch�tteln. Er zelebriert eine Messe unter freiem Himmel und firmt diejenigen Soldaten, die die Firmung noch nicht erhalten haben. Danach setzte er sich unter sie und unterhielt sich mit ihnen, bis es dunkel wurde. Als er sich verabschiedete trat ein junger Soldat vor und bat: Exzellenz, ich m�chte sie umarmen, f�r uns alle!

 1941, sechs Jahre ist er bereits in diesem Teil der Welt zust�ndig, erreicht der Krieg Griechenland: Unermessliches Leid bringt der Krieg mit sich - Bischof Roncalli aber tut, was er nur kann, dieses Leid zu lindern. Erw�hnt werden soll sein "Unternehmen Taufe": Pro forma l�sst er tausende j�discher Kinder taufen, denn dadurch rettet er sie vor dem KZ und damit vor dem sicheren Tod. Er l�sst Nahrungsmittel verteilen und Medikamente aus anderen L�ndern heranschaffen. Als der Krieg zu Ende ist, setzt er es bei den Briten durch, dass das Nahrungsmittelembargo gegen Griechenland aufgehoben wird. Der britische Botschafter charakterisierte sein Wirken mit folgenden Worten: Der p�pstliche Gesandte, Bischof Roncalli, ist einer der wenigen hier am Ort, die wirklich etwas tun. Und Rabbi Arthur Herzberg von der Jewish Agency erz�hlt: "�berall, wo ich hinkam, h�rte ich das gleiche: Wir k�nnen nicht helfen - mit einer Ausnahme. In Istanbul traf ich einen kleinen, dicken Erzbischof namens Roncalli, der p�pstlicher Gesandter in der T�rkei war. Als ich ihm darlegte, was mit den Juden geschah, begann er zu weinen, legte seine Arme um mich und sagte: Rabbi, was kann ich tun, um zu helfen?"

Anfang 1945 - wiederum nach 10 Jahren - schlug auch hier die Abschiedsstunde: Bischof Roncalli wird als Nuntius nach Paris gerufen. Und zwar muss er bereits zum 1. Januar 1945 in Paris sein,  um die traditionelle Neujahrsansprache vor dem diplomatischen Korps zu halten, die dem apostolischen Nuntius vorbehalten ist, denn sonst w�rde der sowjetische Botschafter als der �lteste der Diplomaten dies �bernehmen. "Sie sind nicht der einzige, der erstaunt ist", sagte ihm ein alter Kardinal, als er fragt, wie er zu dieser Ehre komme. Der Papst selbst hat diese Berufung gewollt, aber in Rom ist man nicht begeistert davon. Vielleicht - so munkelte man in der Kurie - w�rde dieser Mann bald auch zum Kardinalskollegium geh�ren. Andererseits aber: Sollte man ihn um diese Stelle wirklich beneiden? In Frankreich gab es neben den Rachegel�sten gegen die Deutschen auch Hass gegen�ber den Italienern, die gemeinsam mit Deutschland Frankreich �berfallen hatten und gegen�ber dem Papst, der nicht dagegen interveniert hatte. Rund drei�ig Bisch�fe und der apostolische Nuntius standen auf der Abschussliste. Der Nuntius Roncalli war sich bewusst, dass er "eine schwarze Soutane mit wei�er Weste" war und kommentierte diese Berufung mit den Worten: "Wenn die Pferde nicht mehr k�nnen, dann nimmt man Esel. Zehn Jahre j�nger sollte ich sein. Aber ich werde mein Bestes tun."

In Paris angekommen, hatte er sogleich Gelegenheit, seine Liebensw�rdigkeit unter Beweis zu stellen: In seiner Wohnung werkelten noch die Handwerker und w�hrend er sich im Nebenraum umkleidete schlug sich nebenan ein Arbeiter mit dem Hammer auf den Finger und fluchte gottesl�sterlich. Roncalli ging zu ihm hin�ber und sagte in schlechtem, aber verst�ndlichen Franz�sisch: "Junger Mann, musst du denn so gottesl�sterlich fluchen? Kannst du nicht einfach wie jeder anst�ndige Christenmensch 'verdammte Schei�e' sagen?"

Der Empfang des neuen Nuntius durch den Staatspr�sidenten - General de Gaulle - war k�hl, aber Angelo Roncalli machte durch seine Pers�nlichkeit und seine Herzlichkeit binnen k�rzester Zeit die Nuntiatur zum geistigen Mittelpunkt nicht nur der franz�sischen, sondern auch der europ�ischen Politik.

Hier in Paris feierte Angelo Roncalli seinen 70. Geburtstag. Hier auch wurde ihm - der Tradition gem�� - 1953 der Kardinalshut vom Staatspr�sidenten aufgesetzt.  Und dieser Staatspr�sident war Vincent Auriol, Sozialist und bekennender Atheist. Als Roncalli vor ihm kniete, damit er ihm das Kardinalsbirett aufsetzte, sagte Auriol: "Eigentlich m�sste ich vor ihnen knien."

Und dann, 1953 - zu seinem gr�ten Erstaunen - erreichte ihn der Ruf nach Venedig. Venedig erwartete ihn mit Freude und feierte ihn st�rmisch. Beim Abschied von Paris sagte Vincent Auriol, mit dem Roncalli eine tiefe Freundschaft verband, zu ihm: "Wenn sie - nachdem sie nunmehr Kardinal sind - einmal zum Papst gew�hlt werden sollten, w�rden sie mir dann die Liebensw�rdigkeit erweisen, mich heilig zu sprechen?" Und von Nuntius Roncalli darauf hingewiesen, dass die Vorbedingung f�r eine Heiligsprechung der Tod sei, versprach Auriol: "Ich werde mich auch scheintot stellen." Roncalli antwortete ihm mit einem L�cheln: "Wenn die Sache so ist, dann verspreche ich Ihnen, dass ich Sie dann scheinheilig sprechen werde."

Und von Frankreich verabschiedete sich der Nuntius mit den Worten: "Ich sage nicht Adieu, sondern au revoir, denn einmal wird mich der liebe Gott doch noch einmal zu sich nach Frankreich kommen lassen."

Die Jahre in Venedig wurden die sch�nsten f�nf Jahre seines Lebens. Endlich konnte er wieder Seelsorger sein: Kardinal Roncalli marschierte zu Fu� durch die Stadt, trank mal hier, mal da einen Kaffee, sprach mit den Leuten, jammerte, dass er zu wenig Geld f�r seine Armen h�tte, fuhr im �ffentlichen Bootsbus und dann eines Tages verkaufte er seine Sommervilla, um mit diesem Geld die Arbeitslosen zu unterst�tzen. Er stand morgens um vier Uhr auf und ab Zehn Uhr war er f�r jedermann zu sprechen. Er besuchte Kranke, segnete eine Rugbymannschaft, f�hrte Besucher durch das Haus.

Ja, Kardinal Roncalli war k�hn - f�r manche zu k�hn. Man r�mpft die Nase �ber ihn: Den Atheisten und Sozialisten Vincent Auriol, der ihn besuchte, umarmte er in aller �ffentlichkeit, er l�sst Igor Strawinskij im Markusdom musizieren, er h�lt zu den Filmfestspielen eine Heilige Messe. Und dann - zur 25-Jahr-Feier der Lateranvertr�ge h�lt er eine Ansprache und erinnert an Mussolini: Gott habe ihn gebraucht, um diese Vertr�ge zu bewerkstelligen.

Wir schreiben mittlerweile das Jahr 1958. Nach langer Krankheit stirbt Papst Pius XII. am 9. Oktober. Alles wird zum Konklave ger�stet. Auch Kardinal Roncalli muss nach Rom reisen, um am Konklave teilzunehmen. Er nimmt nur das n�tigste Gep�ck mit, denn er rechnete nicht damit, dass das Konklave so lange dauern w�rde. 22 Kardin�le kommen f�r die Papstwahl in Frage - darunter auch er. Lange geht es hin und her. Dann endlich - im elften Wahlgang am 28. Oktober - f�llt die Entscheidung. Die Wahl f�llt auf Angelo Guiseppe Kardinal Roncalli, den 77-j�hrigen Patriarchen von Venedig. In die Stille hinein fragt Kardinal Tiserand den Gew�hlten: "Nimmst du die Wahl an?" Nach langem Schweigen antwortet Roncalli: "Beim Anh�ren deiner Stimme schaudert mich und ich f�rchte mich. ... Aber nach dem Wunsch meiner Br�der, nach diesem Zeichen des Willens Gottes, nehme ich die Wahl an. Ich neige den Kopf vor dem bitteren Kelch und der Last des Kreuzes." Er w�hlt den Namen Johannes. Seit �ber 500 Jahren wollte niemand mehr so hei�en, denn der letzte Tr�ger dieses Namens war allen noch in schlechter Erinnerung - zudem war der 23. Johannes ein Gegenpapst gewesen. Er aber begr�ndete seine Wahl damit, dass dieser Name am h�ufigsten gew�hlt worden sei, und dass fast alle ein kurzes Pontifikat gehabt h�tten. Und au�erdem spielte wohl mit, dass er damit auch eine Br�cke zu den Orthodoxen Christen  bauen wollte, indem er einen Namen w�hlte, der auf den Lieblingsj�nger Jesu hinwies.

Als man ihn nach der Wahl in die p�pstlichen Gew�nder kleidet, die f�r Schlankere als ihn gedacht waren, sagte er: "Ich f�hle mich eingeschn�rt und fertig zum Versand." - So sollte er sich noch �fters f�hlen, denn seine gr�ten Probleme hatte er von nun an mit dem vatikanischen Protokoll. Die Zeitung des Vatikan, der Osservatore Romano z.B. war es gew�hnt, vom Papst als dem "erleuchteten Heiligen Vater" und vom "h�chsten Oberhirten" zu sprechen. Und wenn er eine Rede hielt, so handelte es sich hierbei um eine "erhabene Ansprache" von seinen "erhabenen Lippen". Diese Art von Lobhudeleien verbat sich Johannes XXIII. als erstes. Zum Chefredakteur des Osservatore, Graf della Torre sagte er: "Wir leben im 20. Jahrhundert. Wir wollen einen Stil anwenden, der der Zeit entspricht. W�re es nicht besser zu schreiben: Der Papst sagt dies, oder der Papst tut jenes?"

Aber er tat noch mehr: Zum Erschrecken aller ging er im Haus herum, unterhielt sich mit dem Personal, telefonierte aus dem Vatikan hinaus und weigerte sich, seine Mahlzeiten alleine einzunehmen. "Ich habe mit Aufmerksamkeit das Evangelium gelesen ohne darin eine Stelle zu finden, die abgesonderte Mahlzeiten vorschreibt. Wie jeder wei�, liebte auch Jesus es, in Gesellschaft zu speisen", sagte er.

Zum Entsetzen der Vatikan-Funktion�re ging er sogar im Garten spazieren, ohne es vorher bekanntzugeben. Auf seine erstaunte Frage, warum man denn immer dann die Kuppel der Basilika f�r das Publikum sperre, bekam er zur Antwort: "Weil man Sie sonst sehen k�nnte, Heiligkeit". Nach einer kurzen Pause des �berlegens antwortet der Papst: "Machen Sie sich keine Sorgen. Ich verspreche Ihnen, nichts zu tun, was Ansto� erregen k�nnte."

Und als er sieht, dass die Schweizergarde bei Audienzen das Publikum zur�ckdr�ngt, fragt er warum. Als Antwort bekommt er zu h�ren: "Aus Sicherheitsgr�nden". Und was antwortet er? "Aber wieso denn, ich will ihnen doch gar nichts tun!" Gelegentlich f�hrt er durch die Stadt, ohne seinen Mitarbeitern Bescheid zu geben. Er winkt den Menschen zu, wenn er irgendwo warten muss, besucht Kranke, alte Priester, das Priesterseminar, ja, sogar in die kommunistischen Hochburgen Roms, die Arbeiterviertel, wagt er sich. Ein Beispiel f�r seinen Humor und die damalige Mentalit�t seiner Mitarbeiter: Als Johannes im Hospiz vom Heiligen Geist unangemeldet einen kranken Mitarbeiter besuchen will, st�rmt die schnellstens verst�ndigte Oberin auf ihn zu mit den Worten: "Ich bin die Oberin vom Heiligen Geist, Heiligkeit." - Und er, was antwortet er darauf? "Da haben Sie es aber gut, Schwester Oberin, ich bin n�mlich nur der Stellvertreter Christi auf Erden."

Mit 77 Jahren versucht er noch die englische Sprache zu erlernen und wenige Monate vor seinem Tod betritt er als erster Papst das Haus der weltlichen Regierung Roms und Italiens. Er besucht Kinderg�rten, Krankenh�user und Gef�ngnisse. "Johnny the Walker" nennen ihn die Diplomaten und Journalisten in Anlehnung an eine Whiskey-Sorte. Von einem Besuch im r�mischen Gef�ngnis Regina coeli wird folgendes vom "guten Papst Johannes", wie ihn die Leute nach kurzem nennen, berichtet: "Ihr konntet nicht zu mir kommen, also bin ich zu euch gekommen", sagt er, geht frei mitten unter den tausenden von Gefangenen umher, spricht mit ihnen, l�sst sich mit ihnen fotografieren. In einer Abteilung f�r Schwerverbrecher, die streng vom �brigen Gef�ngnis abgetrennt war, fiel ein M�rder vor ihm auf die Knie und bettelte: "Kann auch so einer wie ich die Vergebung finden?" Und was tut Johannes? Statt einer Antwort hebt er ihn auf und umarmt ihn.

Als 200 Delegierte der Juden Amerikas ihn besuchen, geht er - der ja auf den Namen Guiseppe getauft ist - auf sie zu, breitet die Arme aus und ruft ihnen zu: "Ich bin Joseph, euer Bruder!"

Der aufsehenerregendste Besuch w�hrend seiner Amtszeit aber war wohl die Audienz, welche er dem Schwiegersohn Nikita Chruschtschows gew�hrte: Der Heilige Vater, so meinte die Kurie, w�rde so einem eingefleischten Kommunisten sicher keine Audienz gew�hren. Johannes XXIII. aber tat es doch: Er unterschied sehr deutlich zwischen der Lehre des Kommunismus, die er ablehnte, und dem Menschen, der zwar Kommunist war, aber diesen Menschen verdammte er nicht und schloss er nicht aus. Und mehr noch: Zum Abschied segnete er Adschubej und dessen Frau mit den Worten: "Nehmt diesen Segen mit nach Russland. Es ist nur ein kleiner Segen, er wird nichts schaden."

Drei Monate nach seiner Wahl, Anfang 1959, wuchs in ihm der Gedanke an ein Konzil - das Zweite Vatikanische Konzil. Die erste Reaktion der Kardin�le, denen er seine Pl�ne am 25. Januar 1959 unterbreitete, war betroffenes Schweigen. Einer soll gesagt haben: "Um sich von Johannes XXIII. zu erholen, braucht die Kirche 50 Jahre."

Auf die Vorhaltungen eines Pr�laten, drei Jahre Vorbereitungszeit seien zu kurz, sagte er nach kurzem �berlegen und ohne sich im geringsten aus der Ruhe bringen zu lassen: "Sie haben recht, drei Jahre gehen nicht; wir berufen es schon in zwei Jahren ein."

Zehn Kommissionen werden gegr�ndet, zehntausende von Menschen zum Konzil eingeladen, 2000 Aktenordner mit Anregungen gesammelt. Mit den Bisch�fen gemeinsam zieht er  - damals schon todkrank - zur Er�ffnung des Konzils am 11. Oktober 1962 in den Petersdom ein. Er h�lt seine Begr�ungs- und Er�ffnungsansprache, dann aber zieht er sich zur�ck, damit die Bisch�fe sich frei f�hlen, damit sie Raum zum Reden und zum �u�ern ihrer W�nsche haben, ohne auf ihn und seine Reaktion sehen zu m�ssen. Johannes verfolgt die Sitzungen �ber einem eigens geschalteten Monitor. Er h�lt sich zur�ck - nur in besonders verfahrenen Situationen greift er ein.

Ende 1961 stellt Johannes XXIII. zum ersten Mal fest, dass irgendetwas mit seiner Gesundheit nicht stimmt. Untersuchungen bringen die Gewissheit: In seinem K�rper w�chst ein Geschw�r, welches inoperabel ist. Es folgen schwere Darmblutungen, Ohnmachtsanf�lle, st�ndige Schmerzen.

Am 11. April 1963 unterzeichnet er seine Enzyklika "Pacem in terris", mit der er einmal mehr Neuland betritt: Als erstes p�pstliches Lehrschreiben ist diese Enzyklika nicht mehr nur an die Bisch�fe, den Klerus und die Katholiken gerichtet, sondern an "alle Menschen guten Willens". Seine Letzte Audienz h�lt er am 20. Mai, seine letzte offizielle Amtshandlung geschieht am 26. Mai 1963: Eine Radiobotschaft an die polnischen Arbeiter. Wenige Tage vor seinem Tod h�lt er seine letzte Ansprache vor den Massen auf dem Petersplatz, segnete sie, l�chelte und sagte: "Ich gr�e euch, ich gr�e euch."  -  Das waren seine letzten Worte in der �ffentlichkeit. Er bekam einen Magendurchbruch und hohes Fieber. Sein Sterben dauerte vier Tage. Immer wieder fl�sterte er: "Dass sie alle eins seien"

Am 3. Juni 1963, dem Dienstag nach Pfingsten, um 19:49h w�hrend die Messe auf dem Petersplatz gerade zu Ende geht, stirbt er. ----- Angelo Guiseppe Roncalli, der g�tige Papst Johannes XXIII. war tot. Aber in seinem so kurzen Pontifikat hatte er so viel G�te und Herzlichkeit verbreitet, hatte er soviel Gutes getan und bewirkt, dass es sofort nach seinem Tod hie�: "Der Gute ist gestorben." Und gerade dieses Gutsein, diese von Herzen kommende Liebe und Menschlichkeit lie� die Menschen etwas erahnen und leibhaft erfahren von der unermesslichen Liebe und G�te Gottes.

So viele P�pste hat die katholische Kirche heiliggesprochen - einer, der f�r mich in die Reihe dieser heiligm�ig lebenden P�pste geh�rt ist Johannes XXIII., der "g�tige Papst."

Und der erste Schritt auf diesem Weg ist ja im Jahr 2000 geschehen: Am 3. September 2000 hat Papst Johannes Paul II. seinen gro�en Vorg�nger Johannes XXIII. seliggesprochen.

 

Schwester Theresia Benedicta a Cruce ?  Edith Stein, eine "M�rtyrerin aus Liebe"

 

Schwester Theresia Benedicta a cruce, wie der Ordensname der Edith Stein lautete, ist nicht eine christliche M�rtyrerin im herk�mmlichen Sinne. Sie starb nicht f�r ihre christlichen �berzeugungen, sondern als Opfer der "shoach". "Shoach" aber hei�t Vernichtung und ist eine der Bezeichnungen f�r den Holocaust, d.h. die Massenvernichtung von 6 Millionen unschuldiger j�discher M�nner, Frauen und Kinder durch die Nationalsozialisten. Es wird oft f�lschlich berichtet, Edith Stein habe sich nach langem Suchen und Irren von ihrer j�dischen Religion ab- und sich dem katholischen Glauben zugewandt. Das aber ist falsch, denn die Geschichte der Schwester Theresia Benedicta a cruce zeigt etwas ganz anderes: Sie wurde zun�chst Atheistin und erst nach langem Studium der Bibel und besonders der Schriften der Gr�nderin des Karmelitenordens, der Hl. Theresia von Avila, reifte in ihr der Entschluss, katholisch zu werden und schlie�lich in den Karmel einzutreten. Und im Gegensatz zu vielen christlich gewordenen Juden hat Edith Stein nie ihre Wurzeln verleugnet: Sie begleitete auch weiterhin ihre Mutter in die Synagoge und wollte ihre j�dischen Verwandten und Bekannten nie zum Christentum bekehren. Und je weiter der Antisemitismus um sich griff, je mehr die Nationalsozialisten ihre j�dischen Mitb�rger unterdr�ckten, desto gr�er wurde Ediths Stolz darauf, da� auch Jesus Jude war.  Als Papst Johannes Paul II. Edith Stein 1987 in K�ln selig sprach, da konnte er sie schlecht als eine M�rtyrerin der herk�mmlichen Art bezeichnen; und deshalb nannte er sie eine "M�rtyrerin aus Liebe", - damit wollte er ausdr�cken, da� Edith bis in Extremsituationen hinein sich in Liebe den Menschen zuwandte und das Erbarmen des biblischen Gottes ausstrahlte. Ein Beispiel daf�r ist auch ihr Verhalten, als sie 1942 mit ihrer Schwester Rosa in das Vernichtungslager Auschwitz gebracht wurde: Edith sagte damals zu ihrer Schwester: "Komm, Rosa, gehen wir f�r unser Volk."

 

Edith Stein wurde am 12. Oktober 1891, dem Tag des j�dischen Vers�hnungsfestes (Yom Kippur) in Breslau geboren. Sie war das j�ngste von 11 Kindern einer Holzh�ndlerfamilie, die - so wie auch Edith sp�ter - stolz darauf war, Deutsche zu sein und auch keinerlei Schwierigkeiten sah, dies damit in Einklang zu bringen, da� sie Juden waren. Vier ihrer Geschwister starben fr�h und auch den Vater verlor sie, als sie erst 1 1/2 Jahre alt war.  Edith war ein sensibles und begabtes Kind. Trotz ihrer so gro�en Sensibilit�t war sie bereits mit drei Jahren eine Pers�nlichkeit und verf�gte bereits in diesem Alter �ber einen sehr festen und entschiedenen Charakter. Eine Freundin beispielsweise erinnert sich an eine denkw�rdige Begebenheit: Eines Tages, als sie einen vereinbarten Termin nicht eingehalten hatte und mit fadenscheinigen Ausreden ihr Vers�umnis entschuldigen wollte, da sagte die kaum vierj�hrige Edith in einem strengen und keinerlei Widerspruch duldendem Ton zu ihr: "Wer einmal l�gt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht." Abgesehen von ihrer Charakterst�rke, ihrer Entschlossenheit und ihrem unbeugsamen Willen besa� Edith noch weitere gute Eigenschaften: Sie war sehr strebsam und verf�gte �ber einen enormen Wissensdurst. Sehr fr�h schon schien es ihr, als w�re sie f�r etwas Gro�es berufen. Nur wusste sie lange Zeit - selbst als junge Erwachsene nicht - wozu sie wohl berufen war. In der Schule geh�rte Edith zu den herausragendsten Sch�lerinnen. Doch mit 14 Jahren, um das Jahr 1905/06 herum, geriet sie in eine tiefe Krise. Sie weigerte sich, weiter auf das Gymnasium zu gehen und ihre Mutter, die weitsichtig und klug genug war, die weitere Entwicklung zu ahnen, schickte Edith nach Hamburg. Dort sollte sie sich im Haushalt ihrer Schwester Else Gordon (1876-1956) n�tzlich machen. In jener Zeit bereits bezeichnete sich Edith als Atheistin. "In Hamburg habe ich mir das Beten ganz bewusst und aus freiem Entschluss abgew�hnt", schrieb sie sp�ter �ber diese Zeit. Und ihre Mutter hatte mit ihrer vorausschauenden Art recht gehabt: Nach etwa einem Jahr �u�erte ihre Lieblingstochter den Wunsch, nun doch wieder auf das Gymnasium zu gehen, das Abitur zu machen und schlie�lich zu studieren. Frau Stein ging auf diesen Wunsch ein und lie� ihrer Tochter Privatstunden geben, damit sie das verlorene Schuljahr wieder aufholte und im Jahre 1908 wieder auf das Viktoria-Gymnasium in Breslau gehen konnte. Drei Jahre sp�ter bestand Edith das Abitur mit gl�nzendem Ergebnis. Bei der Entlassungsfeier sagte ihr Schuldirektor humorvoll: "Schlag an den Stein und Weisheit springt heraus". Dank des Weitblicks ihrer Mutter war es Edith im Jahre 1911 verg�nnt, als eine der wenigen Frauen die Breslauer Universit�t zu besuchen. Seit ihrer fr�hesten Kindheit war Edith auf der Suche nach der Wahrheit. Da sie aber keine Wahrheit anerkennen wollte, wenn sie sich nicht zweifelsfrei beweisen lie�, entschloss sie sich ihre Suche w�hrend des Studiums fortzusetzen. Und deshalb belegte sie die F�cher Philosophie und Psychologie und dazu noch Germanistik und Geschichte. Auch politisch interessiert war Edith Stein. Zwar war sie nat�rlicherweise von den liberalen Ideen und Auffassungen ihres Standes, des B�rgertums, gepr�gt, aber sie war auch loyal dem Staat und der Monarchie gegen�ber. In ihren Lebenserinnerungen hob sie sp�ter hervor, da� sie dem Staat Preu�en gegen�ber gro�e Dankbarkeit empfand, weil die preu�ische Bildungspolitik ihr, der Frau und J�din, den Zugang zum Studium der Geisteswissenschaften erm�glichte. Sie war sich - und hier stand sie im Gegensatz zu den meisten ihrer Kommilitoninnen - ihrer Verpflichtung gegen�ber "Volk und Staat" voll bewusst und hoffte, diese Dankesschuld durch ihre sp�tere Berufsarbeit abtragen zu k�nnen. Das Studium der Psychologie gab sie auf, weil - wie sie meinte - diese Wissenschaft "noch in den Kinderschuhen steckte." Statt dessen aber hatten sie die "Logischen Untersuchungen" Edmund Husserls so tief beeindruckt, da� sie im Jahre 1913 beschloss, an die Universit�t in G�ttingen, wo Husserl lehrte, zu wechseln.  Husserl lehrte Edith Stein, sich sachlich den Erscheinungen der Wirklichkeit zu stellen. Sein zum evangelischen Glauben konvertierter Assistent Adolf Reinach lie� sie durch seine G�te ahnen, da� es hinter allen nur mitmenschlichen Beziehungen noch etwas geben musste und der katholisch gewordene Philosoph Max Scheler schlie�lich warb mit einer ungeahnten Begeisterung f�r seine neugewonnene Glaubens�berzeugung. Nach Ausbruch des ersten Weltkriegs zerstreute sich der Kreis der Philosophiestudenten in G�ttingen. Nun, nachdem die meisten ihrer Kameraden an der Front waren, glaubte Edith, ihr Studium nicht mehr fortsetzen zu d�rfen. "Ich habe jetzt kein eigenes Leben mehr", sagte sie und stellte Anfang 1915 den Antrag, beim Roten Kreuz als Krankenschwester verwendet zu werden. Sie wurde in das Seuchenlazarett in M�hrisch-Wei�kirchen geschickt, und dort fiel sie fast sofort durch ihre hohe Einsatz- und Opferbereitschaft auffiel. Sie selbst sagte sp�ter, da� dies ihre erste bewusste Begegnung mit dem Tod gewesen sei und sie viele wichtige und unvergessliche Erfahrung im Umgang mit Sterbenden gesammelt habe.

Die Gr�nde, warum Edith Stein sich nach einer Phase des Atheismus zum katholischen Glauben bekehrt hat, lassen sich kaum stichhaltig festhalten. Edith selbst hat dies immer als ihr ganz pers�nliches Geheimnis betrachtet und sich nie explizit dar�ber ge�u�ert. Die einzige M�glichkeit, die uns bleibt, ist es, aus ihren Werken, aus ihren Lebenserinnerungen und ihrer Korrespondenz gewisse R�ckschl�sse zu ziehen.  Den ersten Ansto�, sich mit der Frage nach dem Glauben zu besch�ftigen, erhielt die junge Studentin in den Vorlesungen Edmund Husserls. Und tats�chlich sind gerade durch Husserls Ph�nomenologie viele seiner Studenten zum Glauben gekommen. Philosophen wie Max Scheler, Adolf Reinach und Hedwig Conrad-Martius, die beste Freundin Edith Steins, konfrontierten sie immer wieder mit einer ihr bis dahin v�llig unbekannten Welt. Im privaten Gespr�ch sagte Husserl einmal scherzhaft, eigentlich verdiene er es, von der katholischen Kirche heiliggesprochen zu werden, weil so viele seiner Studenten gl�ubig geworden seien. Im Sommer 1921 schlie�lich wurde Edith w�hrend eines Besuches bei ihrer Freundin Hedwig Conrad-Martius in Bergzabern die entscheidende Erfahrung zuteil - Sie hatte sozusagen ihr "Damaskuserlebnis": Eines Abends, als ihre Freundin mit ihrem Mann ausgegangen war und Edith allein im Hause war, da nahm sie sich aus dem B�cherschrank ihrer Freundin ein ihr unbekanntes Buch mit dem Titel "Schriften der heiligen Theresa von Avila". Es war die Autobiographie der Kirchenlehrerin, und dieses Buch fesselte Edith so sehr, da� sie die ganze Nacht hindurch darin las. Als sie im Morgengrauen das Buch schloss, war sie zutiefst ersch�ttert und rief aus: "Das ist die Wahrheit!" - Jene Wahrheit, die sie seit mehr als 10 Jahren in Form einer abstrakten Realit�t gesucht hatte, sie offenbarte sich ihr nun urpl�tzlich in der Person Jesu Christi.  Edith nahm sofort Taufunterricht und es war wohl ein �kumenisches Ereignis im wahrsten Sinn des Wortes, als am 1. Januar 1922 die J�din Edith Stein von der evangelischen Philosophin Hedwig Conrad-Martius zum Taufbrunnen der katholischen Kirche in Bergzabern geleitet wurde. Edith nannte sich bei der Taufe Teresa Hedwig, um anzuzeigen, wem sie ihre Bekehrung verdankte: Theresa von Avila und Hedwig Conrad-Martius. Aber - ich erw�hnte es bereits - Edith sah in ihrer Taufe nicht etwa die Abkehr vom j�dischen Glauben, sondern vielmehr eine Vertiefung desselben und eine Wiederentdeckung vergessener Dimensionen dieses Glaubens. Und Edith war stolz darauf, Jesus Christus in zweifacher Weise anzugeh�ren: Durch die Taufe mit dem Heiligen Geist und durch das Blut. Eigentlich wollte Edith direkt nach ihrer Taufe in den von Theresa von Avila reformierten Orden der unbeschuhten Karmelitinnen eintreten, doch ihre geistlichen Ratgeber waren der Ansicht, sie solle ihre �berragenden F�higkeiten dazu n�tzen, Gott im �ffentlichen Dienst an den Mitmenschen zu n�tzen. So gab Edith ihre wissenschaftliche Laufbahn auf und ging an die Schule St. Magdalena der Dominikanerinnen in Speyer, um junge M�dchen zu unterrichten. Und hier erkannte sie sehr schnell, da� die Ausbildung der M�dchen in Deutschland den Anforderungen der Zeit nicht mehr entsprach und befasste sich mit Pl�nen zur Reform der Ausbildungspl�ne. So war Edith bald zun�chst als Seminarlehrerin und sp�ter dann als Referentin damit besch�ftigt, neue Erziehungsmethoden zu erarbeiten, die helfen sollten, die Frau immer mehr und immer besser in die moderne Gesellschaft zu integrieren. In ihren zahlreichen Vortr�gen behandelte sie die unterschiedlichsten Themen, die alle die konkrete Situation der Frau angingen, beispielsweise ihre Stellung in Staat und Kirche, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die F�higkeit der Frau zur Hingabe, usw. 1933 verlor Edith ihre Stelle, denn mittlerweile war Adolf Hitler Reichskanzler geworden und die Nationalsozialisten begannen ihre ersten Ma�nahmen gegen die nichtarische Bev�lkerung. Edith lehnte eine Berufung nach S�damerika ab und entschloss sich nun, sich ihren seit langem gehegten Wunsch zu erf�llen und in den Orden der unbeschuhten Kamelitinnen einzutreten. Am 14. Oktober 1933 trat Edith Stein in den - 1944 von Bomben zerst�rten - Karmel St.Joseph in K�ln-Lindenthal ein. Nun hatte sie endlich die Heimat gefunden, nach der sie sich gesehnt hatte. Ein Gef�hl der Freude und der Dankbarkeit erf�llte sie. Selbstverst�ndlich darf ihr Eintritt in den Karmel nicht als Weltflucht verstanden werden. Im Gegenteil: Der Karmel war f�r Edith Stein ein Weg des Selbstverzichts und eine M�glichkeit, durch die Kraft des Gebetes f�r die Welt dazusein. Das Leben im Karmel mit all seinen kleinen Diensten, Pflichten und Aufgaben und seiner strengen Reglementierung fiel Edith anfangs nicht leicht, aber sie f�gte sich ganz selbstverst�ndlich in das Leben der Gemeinschaft ein. Am 15. April 1934 wurde Edith Stein eingekleidet, d.h. sie empfing das Ordensgewand. Sie erhielt den Ordensnamen Schwester Theresia Benidicta a Cruce, d.h. die vom Kreuz gesegnete Theresia. Ihre ewigen Gel�bde legte sie am 21. April 1938 ab.

Trotz der Stille im Karmel und trotz der Klausur beobachtete Schwester Theresia Benedicta entsetzt, was sich au�erhalb des Karmels tat: Juden wurden drangsaliert, schikaniert, gequ�lt und get�tet. Sie bemerkte es deutlich, "da� Gott wieder einmal schwer seine Hand auf sein Volk gelegt" hatte und war sich bewusst, wie sie sagte, "da� das Schicksal dieses Volkes auch das meine war." Edith versuchte, auch selbst etwas f�r die Verteidigung der Juden zu tun: Besonders von einer diesbez�glichen Enzyklika des Papstes erhoffte sie sich eine Besserung. Infolgedessen bat sie Papst Pius XI. um eine Privataudienz, erhielt aber einen abschl�gigen Bescheid. Daraufhin schrieb sie dem Papst einen pers�nlichen Brief. In ihren Vortr�gen und Briefen dr�ckte es Edith Stein immer wieder aus: Sie f�hlte sich ganz eng mit dem Schicksal des j�dischen Volkes, ihres Volkes, verbunden. Immer �fter erw�hnte sie die gro�en biblischen Frauengestalten, welche ihr bedr�ngtes Volk gerettet hatten: Deborah, Judith und Esther. Aber die Hetze gegen die Juden versch�rfte sich immer mehr. Am 9. November 1938, in der sogenannten "Reichskristallnacht", ver�bten die braunen Banden schreckliche Verbrechen gegen�ber den wehr- und rechtlosen Juden. Und nach diesen gewaltt�tigen Ausschreitungen war es f�r Edith Stein klar, da� auch sie in h�chster Gefahr war. Ihr ging es zwar nicht um ihre Person, aber sie war sich bewusst, da� sie mit ihrer Anwesenheit im K�lner Karmel diesen selbst auf das h�chste gef�hrdete.  Und so nahm sie dankbar die Einladung des Karmels in Echt in den Niederlanden an. Vor ihrer Abreise ging Schwester Theresia Benedicta in die alte Karmelkirche in K�ln, um die Gottesmutter Maria, die Friedensk�nigin, um Schutz und Hilfe anzuflehen. Ein Jahr sp�ter folgte Edith ihre leibliche Schwester Rosa in den Karmel nach Echt. Rosa war die einzige in der Familie Stein, die Ediths Hinwendung zum Katholizismus gefolgt war; 1936 hatte sie in K�ln die Taufe empfangen. Rosa versah im Echter Karmel den Pfortendienst. So dankbar Edith war, da� sie in diesem Kloster Zuflucht gefunden hatte, so schmerzte es sie, da� ihre Oberen wegen der unsicheren Lage nicht wagten Edith und Rosa diesem Kloster rechtlich anzugliedern - sie galten offiziell als G�ste dort. Auch in Holland wurde die politische Lage immer kritischer: Die deutschen Besatzer begannen im Verlauf des Jahres 1941 damit, auch in den Niederlanden systematisch die j�dischen B�rger "umzusiedeln", wie sie es nannten. Am 26. Juli 1942 bezogen die holl�ndischen Bisch�fe in einem Hirtenbrief dazu Stellung. Am 2. August 1942 - es war die direkte Reaktion der Deutschen auf diesen Prozest der Bisch�fe - war es dann soweit: 2 SS-Offiziere erschienen vor dem Karmel in Echt und forderten Schwester Theresia Benedicta unmissverst�ndlich auf, binnen f�nf Minuten mit ihrer Schwester Rosa mit ihnen zu kommen. Als Racheakt der braunen Machthaber f�r den Protest der niederl�ndischen Bisch�fe gegen die Judenverfolgung wurden n�mlich an diesem Tag 242 zum katholischen Glauben konvertierte Juden in den Niederlanden verhaftet und deportiert. Als Edith Stein mit ihrer Schwester Rosa das Haus verlie�, h�rte eine dabeistehende Frau den bekannten Satz Ediths: "Komm, Rosa, gehen wir f�r unser Volk." Nach einer kurzen Internierung im Sammellager Westerbork in Nordholland ging am 7./8. August die Fahrt im Viehwaggon bei dr�ckender Hitze quer durch Deutschland. Das Ziel war das Vernichtungslager Auschwitz in Polen. Dort verliert sich die Spur - aller Wahrscheinlichkeit nach wurden Edith Stein und ihre Schwester Rosa am 9. August 1942 in Ausschwitz-Birkenau vergast.

 

Schon bald nach dem Krieg erkannte man, da� Deutschland in der Karmeltin Edith Stein eine ganz gro�e Frau besessen hatte und da� man ihr Leben und Sterben nicht vergessen durfte. Schulen, Institute, Akademien, Bibliotheken, M�tter- und Studentinnenheime, Kirchen, Gemeindezentren, Kinderg�rten und Stra�en wurden nach ihr benannt. 1978 wurde in der Universit�tsstadt T�bingen ein "Edith-Stein-Karmel" gegr�ndet. 1962 wurden die offiziellen Prozesse zur Seligsprechung Edith Steins vom K�lner Erzbischof Joseph Kardinal Frings er�ffnet und 1972 konnte sein Nachfolger, Julius Kardinal D�pfner sie beenden und das gesamte Material in Rom vorlegen. Am 1. Mai 1987 wurde Schwester Theresia Benesicta a Cruce von Papst Johannes Paul II. im M�ngersdorfer Stadion in K�ln feierlich seliggesprochen und am 11.Oktober 1998 in Rom heiliggesprochen.

 

 

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