Besinnliches

Wenn ich die Ehrfurcht vor dem Leben predigte
und sähe tatenlos dem Elend meines Volkes zu,
so wäre ich ein Heuchler.
Und wenn ich die Befreiung der Menschen auf mein Banner geschrieben hätte
und die Liebe zur Freiheit auf den Lippen trüge
und liesse sie in meinem Leben keine Gestalt annehmen,
so wären meine Worte vergebens.
Und wäre ich so weise, dass ich selbst den Weg des Windes kennen würde,
und liesse die Sekunde verstreichen, in der ich handeln müsste,
so verriete ich das Gebot der Liebe.

Die Liebe entnimmt ihre Regeln nicht blassen Theorien und trockenen Büchern,
sie verharrt nicht in leerem Geschwätz.
Sie richtet sich nach der Not der Menschen, denen sie begegnet.
Die Liebe gibt niemals auf.

Kostbar wie das Leben sind Gerechtigkeit und Menschenwürde.
Politische Parolen werden vergehen,
Ausbeutersysteme werden zerfallen.
Sie müssen neuen Ordnungen weichen,
denn die Menschen werden nicht von Parolen satt.
Menschen rufen nach Befreiung,
denn Gott hat uns das Recht auf Würde und Freiheit geschenkt.

Doch als ich nicht wusste, was Würde des Menschen bedeutet,
war ich blind und nicht frei zu lieben.
Erst seit ich für die Rechte der Menschen kämpfe,
weiss ich, was in Wahrheit Liebe heisst.
Da wir Sklaven waren, sprachen wir wie Sklaven,
begriffen wir wie Sklaven, dachten wir wie Sklaven.
Da wir aber frei werden,
werfen wir die Ketten der Knechtschaft hinter uns.

Glaube, Liebe, Hoffnung: Sie bleiben gültig;
doch ohne Gott, ohne Freiheit und Menschenwürde
bleiben sie leere Schatten.

(Canaan Banana, Simbabwe,
in Anlehnung an 1Kor 13)

 

Paradoxie eines Jüngers

 

Wie sieht ein echter Jünger Christi aus?

 

Stark genug, schwach zu sein;

Erfolgreich genug, zu versagen;

 

Eifrig genug, sich Zeit zu nehmen;

Weise genug, zu sagen "ich weiss nicht";

 

Ernsthaft genug, zu lachen;

Reich genug, arm zu sein;

 

Genug im Recht, zu sagen "ich irre mich";

Mitleidig genug, zu disziplinieren;

 

Konservativ genug, freizügig zu sein;

Gerechtfertigt genug, ein Sünder zu sein;

 

Wichtig genug, der letzte zu sein;

Mutig genug, Gott zu fürchten;

 

Genug zu planen, spontan zu sein;

Kontrolliert genug, flexibel zu sein;

 

Frei genug, Gefangenschaft zu erdulden;

Genug Kenntnisse zu haben, anonym zu bleiben;

 

Verantwortlich zu leben, um zu spielen;

Selbstsicher genug, zurückgewiesen zu werden;

 

Ausgeglichen genug, zu weinen,

Siegreich genug, zu verlieren;

 

Fleissig genug, sich zu entspannen;

Genug zu führen, um zu dienen.

 

(P.C. Brewer)

 

 

Die kleinen Leute von Wippidu

Vor langer, langer Zeit lebten kleine Leute auf der Erde. Die meisten wohnten im Dorf Wippidu und nannten sich Wippiduler. Sie waren sehr glücklich und liefen herum mit einem Lächeln bis hinter die Ohren und grüssten jedermann. Was die Wippiduler am meisten liebten, war, einander warme weiche Pelzchen zu schenken. Ein jeder trug über seiner Schulter einen Beutel, und der Beutel war gefüllt mit weichen Pelzchen. Nun ist es besonders schön, jemandem ein warmes weiches Pelzchen zu geben, es sagt dem anderen, er sei etwas besonderes; es ist eine Art zu sagen: "Ich mag Dich!" Und selbstverständlich ist es sehr erfreulich, ein solches Pelzchen zu bekommen. Und wenn man Dir ein Pelzchen anbietet, wenn du es nimmst und fühlst, wie warm und flaumig es an Deiner Wange ist, und Du es sanft und leicht in deinen Pelzchenbeutel zu den anderen legst, dann ist es wundervoll. Du fühlst Dich anerkannt und geschätzt, wenn jemand Dir ein weiches Pelzchen gibt, und Du möchtest ihm ebenfalls etwas Schönes Tun. Die kleinen Leute von Wippidu gaben gerne weiche Pelzchen und bekamen gerne weiche Pelzchen, und ihr gemeinsames Leben war ohne Zweifel sehr glücklich und froh.
Ausserhalb des Dorfes, in einer kalten, dunklen Höhle, wohnte ein grosser, grüner Kobold.Er wollte eigentlich nicht alleine wohnen und manchmal war er einsam. Aber er schien mit niemandem auszukommen und irgendwie mochte er es nicht, warme weiche Pelzchen auszutauschen. Er hielt es für einen grossen Unsinn.
Eines Abends ging der Kobold in das Dorf und traf einen kleinen freundlichen Wippiduler:
"War heute nicht ein schöner Wippiduler-Tag?" sagte die kleine Person lächelnd. "Hier, nimm ein warmes Pelzchen; dieses ist ein besonderes, ich habe es eigens für Dich aufbewahrt, weil ich Dich so selten sehe." Der Kobold schaute sich um, ob niemand anderer ihnen zuhörte. Dann legte er seinen Arm um den kleinen Wippiduler und flüsterte ihm ins Ohr: "Hör mal, weisst du denn nicht, dass, wenn Du alle Deine Pelzchen weggibst, sie dir an einem Deiner schönen Wippiduler-Tage ausgehen?"
Er bemerkte plötzlich einen erstaunten Blick und Furcht im Gesicht des kleinen Mannes, und während der Kobold in den Pelzchenbeutel hineinschaute,fügte er hinzu: "Jetzt würde ich sagen, hast du kaum mehr als 217 weiche Pelzchen übrig. Sei lieber vorsichtig mit dem Verschenken." Damit tappte der Kobold auf seinen grossen, grünen Füssen davon und liess einen verwirrten und unglücklichen Wippiduler zurück. Der Kobold wusste, dass ein jeder der kleinen Wippiduler einen unerschöpflichen Vorrat an Pelzchen besass,Gibt man nämlich jemandem ein Pelzchen, so wird es sofort durch ein anderes ersetzt, so dassinem sein ganzes Leben lang niemals die Pelzchen ausgehen könen. Doch der Kobold verliessich auf die gutgläbige Natur der kleinen Leute und noch auf etwas anderes, das er bei sich selbst entdeckt hatte. Er wollte herausfinden, ob es auch in den kleinen Wippidulern steckt. Auf diese Weise belog der Kobold also den kleinen Mann, kehrte zurük in die Höle und wartete.
Es dauerte nicht lange. Der erste, der vorbeikam und der den kleinen Wippiduler grüsste, war ein guter Freund von ihm, mit dem er schon viele weiche Pelzchen ausgetauscht hatte. Dieser stellte mit Überraschung fest, dass er nur einen befremdeten Blick erhielt, als er seinem Freund ein Pelzchen gab. Dann wurde ihm empfohlen, auf seinen abnehmenden Pelzchenvorrat achtzugeben, und sein Freund verschwand ganz schnell. Und jener Wippiduler bemerkte drei anderen gegenüber am selben Abend noch: "Es tut mir leid, aber ich habe kein warmes weiches Pelzchen für Dich. Ich muss aufpassen, dass sie mir nicht ausgehen."
Am nächsten Tag hatte sich die Neuigkeit im ganzen Dorf verbreitet. Jedermann hatte plötzlich begonnen, seine Pelzchen aufzuheben. Man verschenkte zwar immer noch welche, aber sehr, sehr vorsichtig. "Unterscheide!", sagten sie. Die kleinen Wippiduler begannen einander misstrauisch zu beobachten und verbargen ihre Beutel mit den Pelzchen während der Nacht vorsichtigerweise unter ihrem Bett. Streitigkeiten brachen darüber aus, wer die meisten Pelzchen hat und schon bald begannen die Leute weiche Pelzchen für Sachen einzutauschen, anstatt sie einfach zu verschenken. Der Bürgermeister von Wippidu stellte fest, dass die Zahl der Pelzchen begrenzt sei, rief die Pelzchen als Tauschmittel aus, und schon bald zankten sich die Leute darüber, wieviel ein Mahl oder eine Übernachtung im Hause eines jeden kosten soll. Es gab sogar einige Fälle von Raub wegen Pelzchen. An manchen dämmrigen Abenden war man draussen nicht mehr sicher, an Abenden an denen die Wippiduler früher gern in den Park und auf den Strassen spazierengingen und einander grüssten, um sich weiche warme Pelzchen zu schenken. Das Schlimmste von allem - an der Gesundheit der kleinen Leute begann sich etwas zu ändern, viele klagten über Schmerzen in Schulter und Rücken, und mit der Zeit befiel mehr und mehr Wippiduler eine Krankheit, bekannt als Rückgraterweichung. Sie liefen gebückt umher und (in den schlimmsten Fällen) bis zum Boden gebeugt. Ihre Pelzchenbeutel schleiften sie auf dem Boden. Viele Leute im Dorf fingen an zu glauben, dass das Gewicht des Beutels die Ursache der Krankheit sei, und dass es besser wäre, sie zuhause einzuschliessen. Binnen kurzem konnte man kaum noch einen Wippiduler mit einem Pelzchenbeutel antreffen.
Zuerst war der Kobold mit dem Ergebnis seiner Lüge zufrieden. Er hatte herausfinden wollen, ob die kleinen Leute auch so fühlen und handeln würden wie er, wenn er selbstsüchtige Gedanken pflegte. Und er fühlte sich erfolgreich, so wie die Dinge liefen. Wenn er nun in das Dorf kam, grüsste man ihn nicht länger mit einem Lächeln und bot ihm keine weichen Pelzchen an. Stattdessen starrten Ihn die Leute misstrauisch an, so wie sie auch einander anstarrten. Und ihm war es auch lieber so. Für ihn bedeutete dies, der Wirklichkeit ins Auge zu schauen: "So ist die Welt", pflegte er zu sagen.
Mit der Zeit ereigneten sich aber schlimmere Dinge. Vielleicht wegen der Rückraterweichung, vielleicht auch deshalb, weil ihnen niemals jemand ein weiches Pelzchen gab, starben einige der kleinen Leute. Nun war alles Glück aus dem Dorf Wippidu verschwunden - und es betrauerte das Dahinscheiden seiner kleinen Bewohner. Als der Kobold davon hörte, sagte er zu sich selbst. "Mein Gott, ich wollte ihnen nur zeigen, wie die Welt wirklich ist. Ich habe ihnen nicht den Tod gewünscht."
Er überlegte, was man jetzt machen könne, und er erdachte einen Plan. Tief in der Höhle hatte der Kobold eine geheime Mine von kaltem und stacheligem Gestein entdeckt. Er hatte viele Jahre damit verbracht, die stacheligen Steine aus dem Berg zu graben, denn er liebte deren kaltes und prickeliges Gefühl - und er blickte gerne auf den wachsenden Haufen kalter stacheliger Steine im Bewusstsein, dass sie alle ihm gehörten. Er entschloss sich, sie mit den Wippidulern zu teilen. So füllte er hunderte von Säcken mit den kalten stacheligen Steinen und nahm sie mit ins Dorf.
Als die Leute die Säcke mit den Steinen sahen, waren sie froh und nahmen sie dankbar an. Nun hatten sie wieder etwas, was sie sich schenken konnten. Das einzig unangenehme war, dass es nicht soviel Spass machte, kalte stachelige Steine zu verschenken wie weiche warme Pelzchen. Einen stacheligen Stein zu geben war gleichsam eine Art, dem anderen die Hand zu reichen - aber nicht sosehr in Freundschaft und Liebe. Auch einen stacheligen Stein zu bekommen, war mit einem eigenartigen Gefühl verbunden. Man war nicht ganz sicher, was der Geber meinte, denn schliesslich waren die Steine kalt und stachelig. Es war nett, etwas von einem anderen zu erhalten, aber man blieb verwirrt und oft mit zerstochenen Fingern zurück. Wenn ein Wippiduler ein weiches warmes Pelzchen bekam, sagte er gewöhnlich "Wau", wenn ihm jemand aber einen kalten stacheligen Stein reichte, gab es gewöhnlich nichts anderes als ein "Uh".
Einige der Leute begannen wieder, warme weiche Pelzchen zu geben, und jedesmal, wenn ein Pelzchen geschenkt wurde, machte es den Schenkenden und den Beschenkten wieder glücklich. Vielleicht war es nur deshalb zu bekommen, weil so viele kalte stachelige Steine ausgetauscht wurden. Das Schenken von Pelzchen wurde nie mehr Mode in Wippidu. Nur wenige der kleinen Leute entdeckten, dass sie fortfahren konnten, einander warme weiche Pelzchen zu schenken, ohne dass ihre Vorräte ausgingen. Die Kunst, Pelzchen zu schenken, wurde nicht von vielen gepflegt. Das Misstrauen steckte tief in den Leuten von Wippidu. Man konnte aus ihren Bemerkungen hören:
Weiche Pelzchen? Was steckt wohl dahinter?
Ich weiss niemals, ob meine warmen weichen Pelzchen auch geschätzt werden. Ich habe ein weiches Pelzchen gegeben und bekam einen stacheligen Stein. So dumm bin ich nie wieder. Man weiss nie, wie man dran ist; jetzt ein weiches Pelzchen und im nächsten Augenblick einen stacheligen Stein. Gibst Du mir keinen stacheligen Stein, geb ich Dir auch keinen. Ich möchte meinem Jungen ein warmes weiches Pelzchen geben, aber er verdient es nicht. Manchmal frage ich mich, ob mein Grossvater noch Pelzchen auf der Bank hat?
Wahrscheinlich wär
e jeder Bürger von Wippidu gerne zurückgekehrt zu jenen früheren Tagen, als das Schenken und Geschenkt-Bekommen von weichen warmen Pelzchen noch üblich war. Manchmal dachte solch ein kleiner Mann bei sich, wie schön wäre es doch, von jemandem ein warmes weiches Pelzchen zu bekommen und in Gedanken ging er hinaus, und begann jedem ein Pelzchen zu schenken wie in alten Tagen. Aber etwas hielt ihn stetes davon zurück. Gewöhnlich war es einfach dies, dass er hinausging und sah, wie die Welt wirklich war ........
(Fundort unbekannt)

 

Der Name - Identitätsstiftend

 

Jeder trägt einen Namen,

der unverwechselbar mit ihm verbunden ist.

Wir kennen uns bei unserem Namen.

Wir sind uns nicht unbekannt.

Aber es gibt viele in unserer Gesellschaft,

deren Namen keiner kennt,

die auf der Strasse oder verborgen vor uns

in grosser Einsamkeit leben:

Auch sie bräuchten Begegnungen,

aus denen Bindungen entstehen,

Begegnungen, die aus der Traurigkeit herausführen.

Und die neugeborenen Kinder auf dieser Welt:

Erst durch die Namensgebung ihrer Eltern

Werden sie zu unverwechselbaren, eigenständigen Menschen

und ihr Name wird sie durch ihr ganzes Leben begleiten.

Und Menschen gibt es,
die sind "namenlos" geworden.
Sie brauchen Menschen, die ihnen helfen, 
zu ihren Wurzeln und ihrer Identität zurückzufinden,
damit sie in Freiheit und Selbstbestimmung leben können.
Und wir selbst?
Sollten wir nicht unseren Namen ernst nehmen
und die Geschichte, die mit diesem Namen verbunden ist?

Sollten wir nicht damit aufhören,
uns in der Masse zu verstecken,
sondern sollten wir nicht vielmehr als Einzelne und Einzelner
in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen?
Und dient unser Name nicht auch dazu,
dass wir uns nicht im Tod verlieren,
sondern als Menschen mit unserer ganzen Persönlichkeit
und unserer Geschichte in Erinnerung bleiben?

Dem Mose hat Gott seinen Namen offenbart.

Auf die Frage nach seinem Namen hat er geantwortet,

dass er der ist, der da ist.

Darauf können wir vertrauen,

darauf können wir uns verlassen:

dass Gott du immer bei uns ist,

auch in den dunklen und traurigen Stunden unseres Lebens.

Wir kennen seinen Namen

und wir dürfen ihn auch Vater nennen.

Sollten wir nicht versuchen, auch für andere dazusein -

Im Namen Gottes?

 

 

Zeit ist Gnade

Immer wieder im Lauf des Jahres, besonders aber an Silvester fragen wir nach dem Sinn der Zeit. Irgendwie ist das für viele mit dem Blick auf die Uhr verknüpft. Lassen Sie uns deshalb heute einmal so auf die Uhr schauen. Und uns dabei fragen: Wie wirkt Gott in unsere Zeit?

Uhren zum Aufziehen gab es früher.

Jeden Tag die Uhr aufziehen.

Ein Ritual.

Möglichst zur selben Zeit.

Das tut der Uhr gut, sagten die Alten, dann bleibt sie länger ganz, gebrauchsfertig, heil.

Es gibt Menschen, die können so beten. Tageszeiten in Gott zu verankern, das Gebet als ein Ritual, wie die Uhr aufzuziehen - das tut der Seele gut.

Eine andere Art sind die Automatikuhren.

Die sich mit der Handbewegung von selbst aufziehen.

In der Bewegung Energie gewinnen.

Es gibt Menschen, die beziehen auf diese Art die Energie für ihre Seele. Indem sie bewusst in Bewegung sind. Die auf Menschen zugehen, die sich auf helfende Beziehungen einlassen, die in einen Gensprächskreis gehen. Bewegung im Sport oder sei es nur auf einem Spaziergang: Sind wir dankbar für die Zeiten, da wir in der Bewegug Energie speichern konnten.

In den meisten unserer Uhren ist heute eine Batterie.

Die hält oft jahrelang.

Ob das mit der Seele auch so geht? Sozusagen für lange Zeit einmal auftanken?

Eine Wallfahrt, ein Einkehrtag, Exerzitien?

Es gibt Christen, die tanken so auf. Gut, wenn jemand so eine Energieerneuerung wahrgenommen hat im vergangenen Jahr.

Und wieder etwas total anderes sind die Solaruhren.

Die Kunst, die Sonnenenergie zu speichern.

Ich halte meine Seele in die Sonne, sagt ein Beter. Ob es uns gelungen ist, in diesem Jahr Licht und Wärme aus der Beziehung zu Gott zu speichern?

Immerhin haben die meisten Uhren heute noch Zeiger.

So ein Zeiger ist ja meist gestaltet wie ein Pfeil.

Und das kann mir immer wieder ein Hinweis sein darauf, nachzudenken welche Stunde in meinem Leben geschlagen hat. Gott gibt mir viele solcher Wegweiser in meinem Leben. Menschen als Zeiger, Worte als Deuter, Naturerlebnisse als Wegweiser, der Herzschlag als Erinnerung an meine Zeit mit Gott.

Andere Uhren, die sogenannten Digitaluhren, haben Zahlen statt der Zeiger.

Digitaluhren wegen des Ursprungs dieser Uhren:

Des kleinen Zeigefingers,

der früher jede Minute ein Blatt umblätterte.

Ich kann mich noch erinnern:

Wir hatten früher so eine alte Schiffsuhr zuhause. Es war einfach faszinierend für mich als Kind, wie der kleine Zeigefinger die grosse Uhr steuerte.

Selbst die genaueste Uhr muss irgendwann nachgestellt werden.

Meistens mit der Hand. So ähnlich ist das mit der Seele auch. Sie ist fehlbar, tickt manchmal nicht richtig. Muss dann nachgestellt werden. Gönnen wir uns ein solches Nachstellen.

Besonders toll macht das die funkgesteuerte Uhr.

Sie stellt sich von selbst immer auf die richtige Uhrzeit ein.

Automatisches Nachstellen jede Stunde. Selig, möchte ich sagen, wer das kann. Sozusagen unbewusst immer auf Sendung sein, unbewusst im ständigen Kontakt zu Gott sein. Ich besitze so eine funkgesteuerte Uhr - die Gebrauchsanweisung verspricht mir eine Abweichung von höchstens eine Sekunde in einer Million Jahren?

Und ich bin dankbar dafür, dass Gott da mit mir weitaus flexibler ist.

Gerne habe ich auch eine Uhr mit Datum.

Ich habe keinen untrüglichen inneren Kalender.

Ich brauche eine Tagesansage.

Der Wievielte heute ist. Heutig werden. Heute ist Heilszeit. Gab es im letzten Jahr solche Tage, als Heilszeit angesagt war, die ich als Tag des Herrn erlebt habe?

Nachts brauche ich auch einen Leuchtzeiger an der Uhr.

Ohne diese Orientierung ist die Nacht dunkler. Ungewisser. Die Leuchtzeiger erinnern mich an die vielen Menschen, die Nächte der Seele erleben. "Wächter, wie lange noch?' wurden früher die Turmwächter gefragt und sie sagten den Leuten an: "Habt Hoffnung, die Nacht geht vorbei." Leuchtzeiger sind Hoffnungszeichen.

Und noch etwas brauche ich: Die Uhr als Wecker.

Wer hat nicht schon auf den Wecker geschimpft. Aber man wird ihm auch Abbitte tun müssen und sagen: Gut, dass du mir den neuen Tag angesagt hast. Du hast einen aufgeweckten Menschen aus mir gemacht. So ein Wecker hat etwas Österliches: Einmal wirst du aus der Todesvergessenheit auferweckt werden.

Ach ja, noch etwas gibt es: sogenannte Röntgen- oder Skelett-Uhren:

Also Uhren, deren Innenteile man durch das Glas sieht. Ein faszinierendes Teil ist z.B. die Unruh. Das Teil, das sozusagen die Zeit vorwärts treibt. Die Unruh - Unruhe: Manchen schneidet dieses Teil arg in die Seele. Da haben sie Zeit doch meistens als Hektik erlebt. Habe ich heilsame Unruhe erlebt in diesem Jahr und wo war zuviel Stress?

Ein faszinierender Nebeneffekt ist bei vielen Uhren auch, dass sie leise hörbar ticken.

Faszinierend, wenn ein Kind dem Ticken der Uhr lauscht. Die Zeit hat ihr Geheimnis, ihre Seele. Manchmal spüren wir: Zeit ist Gnade. Die Sekunden, Minuten, Stunden: darin zeigt sich die Liebe Gottes zu den Menschen. Vielleicht ahnen wir zum Jahreswechsel etwas davon: ZEIT IST GNADE

 

10 Regeln für das Menschsein

 

Regel Nr. 1: Jeder Mensch erhält einen Körper

Zu Beginn des Lebens erhält jeder Mensch einen Körper. Auf die Auswahl dieses Körpers haben Sie keinerlei Einfluss. Sie können Ihren Körper mögen oder nicht mögen - Sie werden ihn in jedem Fall für die Dauer Ihres Lebens behalten. Dieser Körper wird ihnen vielerlei Dinge ermöglichen, er ist deshalb sehr wertvoll. Sie können ihn vernachlässigen und Sie können ihn gut pflegen. Je mehr Sie für Ihren Körper tun, desto mehr wird mit ihm möglich sein.

 

Regel 2: Sie werden Lektionen lernen

Von Beginn Ihrer Existenz an sind Sie in einem Vollzeit-Kurs der Schule des Lebens eingetragen. Sie bekommen jeden Tag erneut die Chance, in dieser Schule bestimmte Lektionen zu lernen. Die Lehrer und die Lernsituationen variieren ständig. Sie können die Lektionen gut finden oder nicht - was Sie zu lernen haben, entscheidet die Schule des Lebens.

 

Regel 3: Es gibt keine Fehler, sondern nur Lektionen

In der Schule des Lebens können Sie keine "Fehler" machen. Der Lebenskurs zielt auf Wachstum und Entwicklung ab und dieser Prozess wird vor allem durch Versuch und Irrtum vorangetrieben. Alles, was Sie tun, bringt Sie weiter, wenn Sie bereit sind, die Lektionen zu erkennen und anzunehmen. Es ist ratsam, nicht ständig "mehr vom Gleichen", sondern besser verschiedene Strategien auszuprobieren.

 

Regel 4: Eine Lektion wird solange wiederholt, bis sie gelernt wird

Die Schule des Lebens setzt Ihnen eine Lektion so lange vor, bis Sie sie erlernen. Dafür wählt die Schule des Lebens unter Umständen vollkommen unterschiedliche Herausforderungen für Sie aus - aber die Lektion ist dieselbe, bis Sie sie beherrschen. Je mehr Sie sich gegen eine Lektion wehren, desto länger wird es dauern, sie zu erlernen. Deshalb ist es in der Regel besser, eine Lektion anzunehmen.

 

Regel Nr. 5: Das Lernen von Lektionen hört nie auf

Es gibt in der Schule des Lebens keinen Bereich, der ohne Lektionen ist und Ihre Teilnahme am Lebenskurs ist lebenslang. Alles im Leben dient dazu, dass Sie etwas lernen. So lange Sie lebendig sind, werden die Lektionen, die es für Sie zu erlernen gibt, nicht aufhören.

 

Regel Nr. 6: "Dort" ist nicht besser als "hier"

Leben findet immer "hier" statt. Häufig sieht jedoch ein "dort" besser aus als das "hier" und das Leben scheint dort einfacher zu sein als hier. Das ist eine Illusion. Jedes "dort" kann für Sie zwar zu einem "hier" werden, aber es wird dann ein weiteres "dort" wieder besser aussehen als das "hier".

 

Regel 7: Andere Menschen sind Ihre Spiegel

Ihre Mitmenschen sind nichts als Spiegel Ihrer selbst. Was immer Sie an anderen Menschen wahrnehmen, hat etwas mit Ihnen zu tun und kann Ihnen dazu dienen, etwas über sich selbst zu lernen. Nutzen Sie diese Möglichkeit.

 

Regel Nr. 8: Was Sie aus Ihrem Leben machen, liegt bei Ihnen

Sie bekommen alles, was Sie für Ihr Leben brauchen - alle Ressourcen, Fähigkeiten u.ä. - bereits mitgeliefert. Es liegt allein an Ihnen, was Sie daraus machen. Ihr Leben kann und wird kein anderer für Sie leben. Deshalb sollten Sie Ihr Leben als Chance sehen und nutzen.

 

Regel Nr. 9: Alle Antworten liegen in Ihnen selbst

Alle Antworten auf Ihre Fragen liegen in Ihnen selbst. Sie müssen Sie nur finden. Sie können andere Menschen, die Umstände oder was auch immer befragen, aber die Antworten finden Sie letztlich immer nur in sich selbst. Es bedarf viel Mut, sich selbst die Fragen zu stellen, die einem auf der Seele brennen und es bedarf auch viel Mut, sich die Antworten anzuhören.

 

Regel Nr. 10: Sie werden alle diese Regeln vergessen haben

Die letzte Regel ist bitter: Wir haben all diese Regeln vergessen und müssen sie uns mühsam wieder selbst erarbeiten. Vielleicht helfen Ihnen ja diese Zeilen dabei.

 

 

Kontaktreiche Beziehungsarmut

Es ist immer das gleiche Spiel: nach Dienstschluss verlassen wir so schnell wie möglich den Arbeitsplatz und fliehen sehnsüchtig in die wenigen Stunden Freizeit - bis zum nächsten Dienstantritt. Was macht den Aufenthalt am Arbeitsplatz so schwer? Sind es die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten (müssen), sind es die Aufgaben, die sich anscheinend inmer mehr auftürmen, sind es die nervigen Vorgesetzten? - Ich vermute: von allem etwas. Ein "Leben im Container" mit der Eigendynamik der beobachteten Selbstdarstellung eignet sich ja auch nicht als Modell für eine erfreuliche Arbeitsatmosphäre. Zwar versammelte "Big Brother" ja wohl anfangs genügend Neugierige vor dem Bildschirm, aber die Zuschauer verliefen sich, gestanden sich insgeheim ein, dass diese Form des Zusammenlebens und Zusammen-Arbeitens eher einem Affenkäfig als einem menschlichen Lebensraum gleicht. Warum aber hatte dieses Schauspiel eine so hartnäckige Überlebensdauer? Es liegt vermutlich an unserer Sehnsucht nach gelingenden Beziehungen. Wir wollen unter den Augen anderer uns selber finden, wollen wissen, wer wir sind, was wir können, wie wir wirken. Der Tag gilt als geglückt, an dem es, wie man salopp erzählt, reibungslos geklappt hat: die Kollegen waren freundlich, die Probleme wurden gemeinsam angepackt, die "Kunden" (wie - so erzählte es mir ein Kollege - Patienten neuerdings auch genannt werden) waren kooperativ - kurz es gab keine "Probleme", man war mit sich und seiner Umwelt im Reinen.
Doch gilt es hier etwas nachdenklich zu werden. Wir leben in einer Zeit einer noch nie da gewesenen Fülle von Kontaktmöglichkeiten. Handy, SMS, Internet, Fax, unterstützen und provozieren das Bedürfnis nach Kontaktaufnahme und -dauer. Aber gleichzeitig meldet sich tiefer Zweifel. Denn die Anzahl der Kontakte ist keine Rettung aus der Einsamkeit, kein Ersatz für wirkliche Beziehungen. Beziehungsreichtum ist nicht identisch mit vielen Kontakten. Wie dem entgegenwirken? Zum Beispiel dadurch, dass es am Arbeitsplatz hinreichend Raum und Bewegungsfreiheit gibt. Viele zwischenmenschliche Beziehungen kranken an einer zu grossen Nähe der Betroffenen zueinander. Wie viel Raum braucht ein Mensch? Darüber streiten nicht nur Architekten, sondern auch Paare in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung. "Du kommst mir zu nahe" oder "Du bist mir viel zu weit weg", so lauten die Sprachspiele. Für die Bewahrung einer guten Balance zwischen Nähe und Distanz sind auch die äusseren Raumverhältnisse wichtig. Man braucht Notausgänge, Fluchtwege oder Nischen, in die man sich zeitweise zurückziehen kann. Das aber muss der andere wissen, denn einfach zu verschwinden fördert nicht das Vertrauen, sondern das Gegenteil: es schafft ein Klima wie im Container: wechselseitiges Beäugen und Verdächtigen. Und ein weiteres: Ein guter Arbeitsplatz braucht eine gute Heizung - nicht nur im wörtlichen, sondern auch im übertragenen Sinn. Ohne Wärme kann Leben nicht gedeihen! Es wär
e einmal interessant, der Frage nachzugehen, ob in unseren täglichen zwischenmenschlichen Begegnungen so etwas wie Wärme erfahrbar wird. In den Nachkriegsjahren gründete Chiara Lubich, eine charismatische Frau in Trient eine Bewegung, der man bald einen seltsamen Namen gab: Focolarini, was so viel heisst wie: die um das offene Feuer Sitzenden, in deren Nähe es einem warm ums Herz wird. (Focolar = ein Wort für das offene Herdfeuer in den Berghäusern der italienischen Alpen). Offenbar hatten diese neubekehrten Christen einen wärmenden Umgangsstil wiederentdeckt. Sie lebten schlicht und einfach, aber ganz konkret das Gebot der Nächstenliebe! Früher fand ich es komisch, wenn ich Gast in irgendeinem Tagungshaus war und mir auf dem Zimmer gleich eine "Hausordnung" ins Auge fiel. Heute weiss ich, dass dieses Instrument eine unverzichtbare Bedienungsanleitung zum gelingenden Leben ist.  Ja, die kontaktreiche Beziehungsarmut scheint eine Modekrankheit zu sein. Wer glaubt, dieses Defizit im menschlichen Verhalten auf dem Weg einer "Container-Gesellschaft" lösen zu können, ist auf dem Holzweg. Was uns gebricht, ist die mühevolle und tägliche Einübung der Balance zwischen Nähe und Distanz verbunden mit der Risikobereitschaft missverstanden zu werden. Wenn ich in Distanz gehe, könnte man mir den Vorwurf machen, kein Interesse an der Beziehung zu haben; wenn ich Nähe suche, könnte man mir Aufdringlichkeit unterstellen. Aus diesem Dilemma gibt es keinen Ausweg, sondern nur die Treue zu sich selbst und der Mut zur Annahme seiner selbst.

 

 Wohin wird der Weg mich führen?

In einer kleinen Ortschaft des bayerischen Waldes sah ich es:
Traurig und verlassen  sass ein kleiner Junge auf einem Bahngleis. 
Ein gefährlicher Platz für ein Kind,
so dachte ich,
ein schnell daherfahrender Zug könnte ihn töten.
Und dann sah ich genauer hin, und ich sah:
der Junge sass an einer Stelle, an der die Gleise sich kreuzen.
Weiss der Junge nicht,
so dachte ich, wohin er gehen soll?
Sind die Weichen für sein Leben noch nicht
oder noch nicht richtig gestellt?
Vielleicht ist er von zu Hause weggelaufen.
Oder er hat überhaupt keine Eltern mehr.
Die Antwort?
Ich wusste sie damals nicht und weiss sie auch heute noch nicht.
Aber mir schoss der Gedanke durch den Kopf:
Es gibt viele Menschen auf der Welt,

die sich in einer solchen Situationen befinden.
Es sind nicht nur die Kinder, die nicht wissen, wohin sie gehören.
Es sind nicht nur die Kinder, die die Richtung, in die ihr Leben führen wird,

noch nicht kennen und kein Ziel haben.
Niemand kümmert sich um sie.
Ihre Zahl geht in die Millionen.
Sie befinden sich in grosser Gefahr, seelisch und leiblich.
Wer hilft ihnen?
Wer zeigt ihnen den Weg? 

Wer bringt sie ans Ziel?
Welche Antwort können wir hier geben?

 

 

Was bringen wir unseren Kindern bei?

Was bringen wir unseren Kindern in der Schule bei?
Dass zwei mal zwei vier ist
und Paris die Hauptstadt Frankreichs.
Wann wird man sie lehren, was sie selbst sind?
Jedem dieser Kinder sollte man sagen:
Weisst du auch, was du bist?
Du bist ein Wunder!
Du bist einmalig!
Auf der ganzen Welt gibt es kein zweites Kind,
das genauso ist wie du.
Und Millionen von Jahren sind vergangen,
ohne dass es je ein Kind gegeben hätte wie dich.
Schau deinen Körper an, welch ein Wunder!
Deine Beine,
deine Arme,
deine geschickten Finger,
deinen Gang.
Aus dir kann ein Shakespeare werden,
ein Michelangelo,
ein Beethoven.
Es gibt nichts, was du nicht werden könntest.
Jawohl, du bist ein Wunder.
Und wenn du erwachsen sein wirst,
kannst du dann einem anderen weh tun,
der, wie du selbst, auch ein Wunder ist?
PABLO CASALS

 

 

Eine kleine Geschichte für liebe Menschen 

 

Zwei reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Hause einer wohlhabenden Familie zu verbringen. Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln, im Gästezimmer des Haupthauses auszuruhen. Stattdessen bekamen sie einen kleinen Platz im alten Keller.           
Als sie sich auf dem harten Boden ausstreckten, sah der Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel fragte, warum, antwortete der ältere Engel: "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."  
In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Hause eines sehr armen, aber gastfreundlichen Bauern und seiner Frau. Nachdem sie das wenige Essen, das sie hatten, mit ihnen geteilt hatten, liessen sie die Engel in ihrem Bett schlafen, wo sie gut schliefen.
Als die Sonne am nächsten Tag den Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem Feld.   
Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren Engel, wie er das habe geschehen lassen können: "Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm", meinte er anklagend. 
"Die zweite Familie hatte wenig, und du liessest die Kuh sterben.
"Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen", sagte  der ältere Engel. "Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von Gier besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, so dass er es nicht finden konnte.

Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen. Ich gab ihm die Kuh anstatt dessen. Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."

Manchmal ist das genau das, was passiert, wenn die Dinge sich nicht als das entpuppen, was sie sollten. Wenn man Vertrauen hast, muss man sich bloss darauf verlassen, dass jedes Ergebnis zu seinem Vorteil ist. 
Vielleicht wird man es gar nicht bemerken, ehe nicht etwas Zeit vergangen ist...  
Manche Leute kommen in unser Leben und gehen schnell...   
Manche Leute werden Freunde und bleiben ein bisschen....    
Wunderschöne Fussabdrücke auf unseren Herzen hinterlassend...

Gestern ist Geschichte.

Das Morgen ein Mysterium.   
Das Heute ist ein Geschenk.

Darum heisst es auch: Präsent.  

Ich denke, das ist etwas Besonderes.

Leben und geniessen wir deshalb jeden Moment unseres Lebens ... 
Das Leben ist nämlich keine Generalprobe!

 

Unternehmen Pappkamerad

 

Als die Zarin Katharina einst die Idee hatte, den Dnjepr hinunterzufahren, um im Süden ihres Reichs nach dem Rechten zu sehen, geriet ihr Günstling, der Fürst Potemkin in nicht geringe Panik. Vorzeigen sollte er der Zarin nämlich die Ergebnisse seiner Siedlungspolitik, was dem nicht eben pflichtbewussten Minister aber leider nicht möglich war. Und so sann er schleunigst auf Abhilfe. Das Ergebnis seines blitzgescheiten Reaktionsvermögens ist heute noch so bekannt, dass es als sprichwörtliche Redensart Eingang in unsere Sprache gefunden hat: "Potemkinsche Dörfer", am Ufer improvisierte Attrappen aus Latten und Segeltuch, welche die kurzsichtige Monarchin tatsächlich für blühende Landschaften hielt, liess er errichten.

Derartige Ersatzlösungen, die viel billiger sind als die entsprechenden Originale, haben komischerweise immer Erfolg. Die Vögel zum Beispiel halten Vogelscheuchen für Menschen, die ihre Felder bewachen, obwohl der Unterschied eigentlich doch beträchtlich ist. Jetzt hat die belgische Polizei, auch nicht dumm, Streifenwagen aus Pappe getestet. Die Seifenkisten mit uniformierten Schaufensterpuppen hinter dem Steuer stehen auf dem Standstreifen der Autobahn zwischen Brüssel und Luxemburg. Und der Erfolg dieses "potemkinschen Täuschungsmanövers" ist beträchtlich: Die Zahl der Verkehrssünder auf dieser Strecke sank tatsächlich um rund 50 Prozent. Eine andere denk- und dankbare Wirkungsstätte für menschenähnliche Ersatzstoffe wären wohl auch die deutschen Parlamente, angefangen beim Bundestag über die Länderkammern, wo nicht selten gähnende Leere für steigende Politikverdrossenheit unter den zuschauenden Bürgern sorgt. "Potemkinsche MdBs und MdLs" könnten da sicher Wunder wirken. Also: Pappkameraden aller Parteien an die Debattenfront!

Aber genau an diesem Punkt angelangt stellt sich mir eine ganz elementare Frage: Wären die Ideen des Fürsten Potemkin nicht auch für die Kirche fruchtbar zu machen? Schaufensterpuppen und Pappkameraden an strategisch wichtigen Stellen der Gotteshäuser aufgestellt könnten dann nämlich mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen:

-     die immer mehr Überhand nehmenden Diebstähle in Kirchen und Kapellen würden eingedämmt, weil die Einbrecher sich nicht alleine wähnen, und

-     die ob der leeren Kirchenbänke mutlos gewordenen Priester, Diakone und Gottesdienstleiter würden sich nicht mehr so alleine im Gottesdienst vorkommen.

Ein überlegenswerter Vorschlag, oder? Andererseits: Ist es wirklich schon so weit, dass wir zu solchen Mitteln greifen müssten, oder können wir das Problem der leeren Kirchen nicht auch anders lösen?

 

Ein unvergängliches Geschenk

 

 

Diese Geschichte handelt davon, dass vor nicht allzulanger Zeit ein Mann seine 5jährige Tochter dafür tadelte, dass sie eine Rolle wertvolles goldenes Geschenkpapier sinnlos vergeudete. Das Geld war ohnehin knapp und deshalb wurde er sogar noch ungehaltener, als er sah, dass das Kind sie dazu benutzte, eine Schachtel zu verzieren, die er extra bereit gestellt hatte um damit ein Geschenk zu verpacken, das unter den Weihnachtsbaum gestellt werden sollte. Das kleine Mädchen liess sich trotzdem nicht entmutigen, brachte die Geschenkebox am nächsten Morgen zu ihrem Vater und sagte: "Das ist für Dich, Papa." Der Vater war beschämt über seine unbeherrschte Überreaktion. Aber erneut flammte sein Ärger auf, als er die Schachtel öffnete und sie leer fand. Er fuhr sie an: "Weisst Du nicht, kleines Fräulein, dass, wenn Du jemandem ein Geschenk machst, der erwartet, dass auch etwas in der Verpackung drin ist?" Das kleine Mädchen schaute mit Tränen in den Augen zu ihm auf und sagte: "Oh Papa, sie ist doch nicht leer! Ich hab so viele Küsse für dich hineingedrückt, bis die Schachtel ganz voll war." Der Vater war bestürzt und schämte sich fürcherlich. Er fiel auf die Knie, schlang seine Arme um das kleine Mädchen, zog es an sich und bat es von ganzem Herzen, ihm zu vergeben für seine unüberlegte und ungerechtfertigte Wut.

Kurze Zeit darauf kam das Kind bei einem Unfall ums Leben und man erzählt sich, dass der Vater die goldene Schachtel sein ganzes Leben lang neben seinem Bett aufbewahrte. Und wann auch immer er entmutigt war oder von schwierigen Problemen fast erdrückt wurde, öffnete er die Schachtel und nahm sich einen imaginären Kuss heraus um sich der Liebe des Kindes, das sie da hineingelegt hatte, zu erinnern.

Und ist es nicht in Wirklichkeit so? Jeder von uns, jedes menschliche Wesen braucht doch eine Schachtel mit dieser bedingungslosen Liebe, mit Küssen, Träumen und Wünschen von unseren Kindern, der Familie, von Freunden, von Gott.... Es gibt keinen wertvolleren Besitz, den wir je in Händen halten könnten. Du hast nun zwei Wahlmöglichkeiten. Du kannst
1. Dir diese Geschichte aufheben und sie
2.
auch einen guten Freund lesen lassen oder
3. sie zerstören und sie so behandeln, als hätte sie Dein Herz nie berührt.
Wie Du siehst, habe ich ersteres gewählt.
Freunde sind wie Engel, die uns wieder auf die Füsse helfen, wenn unsere Flügel zu ermattet sind, um sich daran zu erinnern, wie sie fliegen können.

(aus dem Englischen)

 

"Es gibt Hirten und Hirten"

 

Man sagt: Es gibt heute zwei Arten von Hirten: die einen interessieren sich für die Wolle, die anderen interessieren sich für das Fleisch. Für die Schafe interessiert sich niemand. Menschen können nicht tiefer degradiert werden, wenn man sich nur insoweit für sie interessiert, als sie etwas leisten und so wirtschaftlich interessant sind. Was für eine Enttäuschung, wenn einer spürt: Der meint gar nicht mich, der will nur etwas von mir. Die Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung, Verstandenwerden bleibt ungestillt. Kann diese ungestillte Sehnsucht, die krank macht, in den Sprechzimmern der Psychotherapeuten geheilt werden? Im Evangelium wird uns einer vorgestellt, der sich für die Menschen als Menschen interessiert. Es ist Jesus, der den Menschen in ihren Bedürfnissen nach Heilung, Leben, Heil, Freude, Frieden, Freiheit und Glück gerecht wird wie kein anderer. "Ich bin der gute Hirt, ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich ... und ich gebe mein Leben hin für die Schafe." Auf der Hochzeit zu Kana schenkt er ein Übermass an Wein als Zeichen des Lebens und der Freude. Er schenkt Gesundheit und Heil, indem er Lahme, Blinde, Taube, Stumme, Aussätzige heilt. Er verurteilt die Ehebrecherin nicht, sondern spricht sie von ihrer Schuld frei und schenkt ihr dadurch einen neuen Anfang, eine neue Hoffnung. Freuen wir uns, dass wir Kinder Gottes sein dürfen. Es ist nicht unser Verdienst, Kind zu sein, es ist ein Geschenk. Es ist uns geschenkt, einen guten Vater zu haben und einen Hirten, der bei uns ist. Hat das Bild vom Guten Hirten ausgedient? Ich glaube, es ist eines der packendsten der ganzen Bibel. Schauen wir auf ihn, den Guten Hirten: Wie viel Mühe und Sorge steckt doch dahinter, wenn er die 99 Schafe zurücklässt und dem einen verlorenen nachgeht. Wer von uns würde das schon tun? Mit welcher Zuwendung beschützt er seine Tiere? Dieser Hirte darf seinen Tag nicht nach Stunden oder nach Tarif bemessen. Das ist Zuwendung ,,pur". Wer ist dazu heutzutage noch bereit? Da ist auch von Räubern die Rede, von Wölfen, die die Herde erschrecken, die einbrechen und sogar verletzen. Der Hirte nimmt es mit den Wölfen auf. Manche wird er vertreiben, auch wenn er dabei letztendlich umkommt. Eines aber tut der Hirte nicht: sich selbst schnell in Sicherheit bringen. Er wird nicht fliehen. Er bleibt und verteidigt seine Schafe bis aufs Blut, bis zum letzten Atemzug. Wer von uns wäre dazu bereit? Jesus ist dieser Gute Hirt, der sich um die Seinen kümmert, im Gegensatz zu jenen, die sich nur für die Wolle oder das Fleisch interessieren. Solchen schlechten Hirten ist wohl jeder von uns schon einmal aufgesessen. Wo ich spürte, da werde ich ausgenutzt - in meiner Gutheit, vielleicht in meinem Ehrenamt. Wo ich geholfen habe, aber keinerlei Dank dafür erhielt. Wie oft sind wir schon billigen Lockrufen der Werbung aufgesessen. Da sind wir jedesmal an schlechte Hirten geraten. Wir haben es ja erlebt: je mehr wir uns der Jahrtausendwende näherten, desto häufiger traten solche Hirten auf, die uns Angst einflössen wollten. Jesus nennt sie auch Ausbeuter, Mietlinge, die nur an den eigenen Vorteil denken.

 

Die Tränen des Clowns

 

Der Clown, wer liebt ihn nicht?

Er lacht und ist immer lustig.

Der Clown er scherzt und spielt.

Die Kinder schreien und lachen, wenn er mit seinen übergrossen Schuhen stolpert.

Der Clown er spielt Abend für Abend eine Rolle,

den Spassmacher, den Narr,

hier kann er all die Dinge tun, die er als "Mensch" nicht tun kann und keiner ist ihm böse.

Der Clown immer lacht er und ist fröhlich - doch da - eine Träne die hab ich gesehen -

was ist mit dem Clown?

Der Clown er weint, weint obwohl er lacht.

Keiner hat es gesehen nur ich, denn ich schaue in das Herz und nicht auf die Maske.

Der Clown - so verletzlich und zerbrechlich wie jeder von uns.

Aber er spielt seine Rolle täglich für uns.

Der Clown er weint und darf es nicht zeigen,

er möchte laut weinen und muss doch lachen.

Der Clown er zerbricht an den Tränen und muss es doch lassen,

er muss den Menschen das Lachen bringen.

Der Clown so arm und so verlassen, 

ich sehe seine Tränen und kann ihn nicht trösten.

Der Clown er sagt er sei lustig und doch muss er weinen,

er spielt seine Rolle und bekommt Applaus.

Der Clown, ja der muss lachen,

wie es ihm geht das darf er nicht zeigen.

Der Clown ich denk oft an ihn,

was ist geblieben an was ich noch denke?

Der Clown - denk ich an sein Lachen?

Seine Faxen und Spässe?

Nein ich denk an seine Tränen.

Der Clown er zeigt mir wie schwach ich bin, wie egoistisch.

Auch ich hab ihn im Stich gelassen,

ich hätte ihn trösten können und hab es nicht versucht.

Der Clown - bin ich nicht auch ein Clown,

spiele ich nicht auch eine Rolle? 

Lache ich nicht obwohl mir zum weinen ist.

Der Clown - was ist geblieben nur eine Träne - die Tränen des Clowns.

Der Clown - manchmal fühle ich wie ein Clown bin so zerbrechlich.

Der Clown - ich bin der Clown.

 

Von "Tina"

 

Was die Angst bewirkt

Erst die Angst macht aus dem Wort Gottes Gebote.

Erst die Angst macht aus Menschen Götzen.

Erst die Angst macht aus Gott einen Despoten.

Erst die Angst macht aus Besitzenden Habgierige.

Erst die Angst macht aus Sicheln Schwerter.

Erst die Angst macht aus Spielzeug Waffen.

Sie macht aus Nachbarn Feinde,

macht aus Partnern Konkurrenten.

(Rupert W. Federsel)

 

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